Die Situation der Witwen

 

 

Für Frauen war es Pflicht, verheiratet zu sein. Falls der erste Ehemann gestorben war, mußte eine Frau, vor allem in unteren Schichten, wieder heiraten, um einem Verlust an Ansehen und Vermögen vorzubeugen. Da die Frauen ihren Männern gewissermaßen untergeben waren, hatten sie auch kaum Möglichkeiten, sich selbst um eine Altersversorgung zu kümmern, und mußten sich so im Alter durch Handarbeiten und andere Kleinarbeiten unterhalten oder in einem Armenhaus Unterkunft suchen. Überhaupt waren Frauen im Alter keineswegs besser dran als Männer.
Adelswitwen wurden zwar versorgt, mußten aber abseits der eigentlichen Familien auf Landsitzen oder in Stadtwohnungen leben.
Beamtenwitwen hatten, wie z.T. auch die Männer, Anspruch auf Witwenversicherungen durch den Staat oder auf Gelder aus sog. Witwenkassen. Sicherer war es aber, sich selbst um Versicherungen zu kümmern, die z.T. vom Fürsten bzw. Herrscher unterstützt wurden.
Pfarrerswitwen wurden über private Stiftungen und Kassen versorgt, die z.T. sogar von den Ehemännern angelegt worden waren, um den Gemeindemitgliedern eine Altersversorgung zu ermöglichen (allerdings waren die Beiträge für solche Kassen oft so hoch, daß Normalverdienende sie sich nicht leisten konnten.)
Bauerswitwen mußten wieder heiraten, da der Grundherr es einer Frau nicht gestattete, den Hof ihres Mannes allein weiterzuführen.
Auch Handwerkerwitwen mußten sich schnell nach neuen Partnern umsehen, oder sie verloren die Position der Meistersfrau. Allerdings konnte sie die Meisterstelle auch an den Sohn übergeben.
Tagelöhnerwitwen arbeiteten für ihre Unterhalt bis zu ihrem Tod selbst. Für all jene Frauen, für die eine Wiederverheiratung notwendig war, waren Kinder natürlich hinderlich. Eine Heirat war ein Unternehmen, und es war durchaus üblich, einen wesentlich älteren oder deutlich jüngeren Partner zu ehelichen, wenn man dadurch an Geld herankam. Die Altersunterschiede bei zweiten Ehen betrugen daher im Durchschnitt 12 - 14 Jahre, wenn der Mann älter war, und 6-7 Jahre, wenn die Frau älter war. Für diese Heiraten gab es gesetzlich festgelegte Richtlinien, nämlich eine vorgeschriebene Trauerzeit, die nur in dringlichen Fällen (wenn z.B. der Hof sonst ungenügend beaufsichtigt war) verkürzt werden durfte. Sie betrug bei Frauen 1 Jahr und bei Männern 1/2 Jahr und mußte durch Trauerkleidung angezeigt werden, die natürlich gleichzeitig die Partnersuche signalisierte. Außerdem durften Frauen erst dann wieder heiraten, wenn sicher war, daß sie nicht schwanger waren und damit ein weiteres „fremdes“ Kind mitbrachten.