Aussagen über Weimar von Zeitgenossen
(Belege s. Lit.verz.)

Wohl am treffendsten hat Karl Julius Weber (1767-1832) in seinen „Briefen eines in Deutschland reisenden Deutschen" 1828 dem Gegensatz zwischen dem geistigen Weimar und der Stadt Ausdruck gegeben: „Wenn irgendeine Stadt der Imagination Streiche spielt, so ist es Weimar. Sein Ruf geht vor ihm her wie vor großen Männern, und man findet ein kleines, totes, schlecht gebautes, recht widriges Städtchen, das Schloß ausgenommen, fast gar nichts Ausgezeichnetes".
So war das Weimar der Goethezeit weit davon entfernt, eine repräsentative Residenzstadt zu sein. (Eberhard, S. 26)

Adolf Stahr schrieb rückblickend über Weimar, das selbst im Vergleich mit dem kleinen Jena den Namen Stadt kaum verdiente: „Enge winklige Gassen, schmutzig und unsauber in jedem Betracht, die Häuser unabgeputzt, das Pflaster - noch jetzt ein Stein des Anstoßes für jeden an kultivierte Straßenbekleidung gewöhnten Fuß - damals selbst nach dem Urtheil Gleichzeitiger, von 'schrecklicher Beschaffenheit', die Straßen ohne alle Beleuchtung, nicht selten von brüllenden Haufen Jenaischer Studenten mit ihren Löwenmähnen auf elenden Kleppern durchtobt, verfallende Thore, wo jeder Aus- und Einpassirende examinirt und angehalten wurde, - das ungefähr sind die Züge der äußern Physiognomie, welche die 'berühmte Residenzstadt' Weimar damals aufzeigte. Ein Beschreiber derselben ums Jahr 18oo führt es als eine besondere Verschönerung an, daß 'in den letzten Jahren die Häuser zumeist neu verputzt worden seien!' Von der Bauart der Mehrzahl dieser Häuser kann sich selbst eine lebhafte Phantasie kaum eine Vorstellung machen. Ich fand neulich in ein Paar Straßen, wo alte Häuser niedergerissen waren, die Brandmauern derselben bloßgelegt. Sie sahen aus, als hätten Biber sie gebaut. Steine, Holzlatten, gurtenartiges Flechtwerk mit Lehm bekleidet, bildeten abwechselnd, in verschiedenen Fächern, ein wüstes Gemenge. Es soll vorgekommen sein, daß noch neuerdings aus dem Lehm solcher Mauern die Körner der Strohspreu, mit welcher die Lehmmasse gemischt wird, als Getreidehalme lustig durch die Tapeten der Zimmer gewachsen sind. [...] Und welch ein Zopf herrschte in jener alten Zeit noch in den residenzstädtischen Anordnungen! Nicht nur die Fremden, auch die Einheimischen, wenn sie zu Wagen ein- und auspassirten, wurden an allen Thoren des Städtchens vom Thorschreiber angehalten, und Namen, Stand und Rang pünktlich Serenissimo gemeldet". (Klauss, S. 16f)

Der Karlsruher Gymnasialprofessor und Schriftsteller Heinrich Sander (1754-1782), der 1780 Thüringen bereiste, fand Weimar „klein, unansehnlich und irregulär". Ähnlich äußert sich der Schauspieler und Regisseur Heinrich Schmidt (177-1857) in seinen Erinnerungen an die Weimarer Gymnasialzeit in den neunziger Jahren und bezeichnet die Stadt als „meist sehr unansehnlich, die Bauart der Häuser selbst als dürftig und kleinlich, bald groß, bald klein, willkürlich aneinandergereiht, daher auch die Gassen und Gäßchen wenig regelmäßig, meist eng und beengend". Der anonyme Verfasser der „Reise durch Thüringen", die 1796 erschien, kam zu demselben Ergebnis und schrieb: „Weimar, ein mittelmäßiger Ort, dessen Gassen weder an Reinlichkeit und Anlage noch an. Bauart der Häuser. dem heitern und luftigen Gotha gleich kommen. Die Häuser sind meistens dürftig gebaut, und es hat mir alles so das dürftige Ansehen einer Landstadt. Man darf sich nicht weit von den Hauptstraßen entfernen, um in Winkel und Löcher zu kommen, welche dieses Ansehen noch mehr gewinnen. Kein einziger Platz ist, der der Stadt eine residenzähnliche Ansicht gäbe". So „eilte er aus der Stadt und suchte den berühmten Park auf", der ihn beeindruckte, und meinte: „Nur eine solche Veränderung des Schauplatzes konnte mich mit meinen getäuschten Erwartungen versöhnen". Die Stadt selbst aber fand er „tot" und fügte hinzu: „Wie sehr wünsche ich mich wieder nach Gotha zurück". (Eberhard, S. 8)
Durchaus an der Tagesordnung war das „Ausgießen der Nachtgeschirre aus den Fenstern im Schutze der Dunkelheit. 1774 wurde diese 'Unfläterei' auf die Zeit nach 23 Uhr eingeschränkt, 1793 dann endlich ganz verboten. Ähnliche Probleme bereitete das Leeren der privaten Kloaken und Abtrittgruben. Das Gassenreglement schrieb streng vor, daß menschliche Exkremente nur nachts, zwischen Mitternacht und Sonnenaufgang, abtransportiert werden sollten; diese beschwerliche und lästige Vorschrift wurde aber häufig umgangen, indem man - „zum großen Abscheu des Publikums" - dergleichen Unrat mit Viehmist vermischte, den am Tage durch die Stadt zu transportieren erlaubt war. Das Androhen von Strafen hatte wohl auch in diesem Falle nicht immer den gewünschten Erfolg.
Die Versorgung der Stadtbevölkerung mit dem nötigen Trink- und Brauchwasser war gleichfalls nicht leicht. Als um 18oo eine Wassernot eintrat, da die Röhrenfahrten nicht mehr ausreichten, wurden zusätzlich Pumpbrunnen angelegt. Außerdem existierten im Stadtgebiet fünf Quellbrunnen, die zur Trinkwasserversorgung der Bevölkerung genutzt wurden. Die Parkquellen lieferten dagegen lediglich Brauchwasser. Um das Einfrieren der lebensnotwendigen Wasserstellen zu verhindern, deckte man die Brunnen im Winter mit Pferdemist ab, der dann im Frühjahr von der Stadt verkauft wurde. [...]  Gelegentlich kam es zur gedankenlosen Verschmutzung öffentlicher Brunnen durch Hineinwerfen von Gassenkehricht, Steinen, alten Lappen und sogar toten Tieren.
Derartige hygienische Bedingungen in einem städtischen Gemeinwesen waren zur damaligen Zeit die Regel. Wie überall in den Städten Europas führten die Bürger auch in Weimar einen ständigen Kampf gegen Wanzen, Flöhe, Ratten und andres Ungeziefer, das die durch den Menschen verursachten Unreinlichkeitsherde bevölkerte. [...]  
Öffentliche Badeanstalten gab es in der Stadt, doch scheinen sie nicht übermäßig besucht worden zu sein. (Klauss, S. 45)