Verbrechen und Strafen um 1800

Kriminalität

Ein begehrtes Diebstahlobjekt waren Kleidungsstücke, da sie sehr teuer waren. Strafe für gestohlene Kleidung: Gefängnis und  Landesverweis, körperliche Züchtigung. Ebenfalls wurden Geschirr, andere Textilien, Werkzeuge und Nahrungsmittel gestohlen. Durch Zeitungsartikel versuchten die Bürger das Diebesgut wieder zurück zu bekommen. Die häufigsten kriminellen Handlungen waren: Diebstahl, Einbruch und Unterschlagung. Die Strafen: Verweise, Geldstrafen, Gefängnis, Arbeits- bzw. Zuchthaus. Mord, Raub und Todschlag kamen seltener vor. Seit Anfang des 18. Jahrhunderts war die  Folter eingeschränkt worden, wobei es jedoch starke regionale Unterschiede gab. Die Todesstrafe kam nach der Jahrjundertmitte nicht mehr so oft zur Anwendung, wobei aber einige Verbrechen noch immer mit dem Tod geahndet wurden, so z.B. der Kindsmord,und es auch hier starke örtliche Unterschiede gab. Noch immer kam es nämlich recht häufig vor, daß unverheiratete Frauen ihr Kind aus Angst vor Ächtung oder aus Existenznot töteten. Ledige Mütter wurden, falls sie den Vaternamen ihres Kindes nicht nennen konnten, zu vierwöchiger Zuchthausstrafe verurteilt. In Weimar konnte man der Strafe entgehen, wenn man nach Jena in ein Entbindungsinstitut ging um einen Hebammenkurs zu machen.
Die größten Verfehlungen in der damaligen Zeit waren: Trunkenheit, zu schnelles Fahren und Reiten, Stehenlassen des Zugviehs auf öffentlichen Straßen, Hygieneverletzungen, wie z.B. Unterlassen des Straßenkehrens. Unter strafwürdiges Vergehen zählte man, wenn Bäcker zu leichtes Brot gebacken hatten, man auf der Straße rauchte und das aufsässige Benehmen des Dienstgesindes gegenüber der Dienstherrschaft. Das Betteln war in den Städten verboten. Bettler wurden abgeschoben und ihnen drohte eine Gefängnisstrafe. Ebenso wurden Arbeitslose und geschwängerte Dienstmädchen aus der Stadt gewiesen.

 Der Strafvollzug

Pranger, Halseisen, Peitsche, Brandmarkung, Verbannung oder Galeere auf Zeit – das alles gehörte zu den üblichen Formen der Strafpraxis bis teilweise ins 19. Jahrhundert.

D. Chodowiecki: Methoden öffentlicher Folter und HinrichtungHinzu kam die - wenngleich seltener gewordene - Todesstrafe, die in der Regel verstärkt wurde durch zahlreiche Martern: So hackte man vielen Verurteilten eine Hand ab, oder die Zunge wurde ihnen abgeschnitten; andere wurden gerädert, und man zerschlug ihnen die Knochen. Strafen gab es viele, und noch im 18. Jahrhundert lag der Anteil der Todesurteile in der Strafjustiz mancher Gerichtshöfe bei über 10 %. Die Marter war eine genau berechnete Kunst des Schmerzes, eine Verlängerung des Todes, die in den Schreien der Verurteilten den Triumph der Justiz feierte. Der ganze Prozeß vollzog sich bis zum Urteilsspruch geheim und undurchschaubar für die Öffentlichkeit und oft auch für den Angeklagten selbst. Wie ein Text über die Hinrichtung eines Vatermörders aus jener Zeit zeigt, ist die Marter einem Schauspiel vergleichbar, in dem der Verurteilte vor einem großen Publikum schon auf Erden die Schmerzen der Hölle erleiden muß.

In der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts beginnen sich grundlegende Veränderungen in der Justiz abzuzeichnen. Der öffentliche Strafvollzug tritt als Zeremoniell der Strafe, als körperliche Sühne für begangene Verbrechen, zunehmend in den Hintergrund, und das Verhältnis von Öffentlichkeit und Geheimhaltung beginnt sich umzudrehen. Jetzt werden der Prozeß und das Urteil immer häufiger öffentlich, die Vollstreckung tritt dagegen in den Hintergrund.

Wortführer und wichtigster Vertreter der Rechtsreformer war der Italiener Cesare Beccaria. Seine Gedanken unterschieden sich grundlegend von der bisherigen Praxis der Justiz und des Strafvollzugs, und Beccaria war bald schon ein berühmter Mann. Die Aufklärung war zwar überall und auf vielen Gebieten auf dem Vormarsch, doch im Bereich der Gerichtsbarkeit lag noch vieles im argen. Beccarias Verdienst ist es, die Gedanken der Aufklärung auch auf diesem Gebiet angesiedelt zu haben. Die Ideen der Reformer hatten z.T. durchschlagenden politischen Erfolg. So beeinflußten Beccarias Gedanken z.B. ein neues toskanisches Gesetzbuch sowie die Gesetzbücher, die Joseph II. für Österreich und Katharina II für Rußland ausgaben. In letzterem sind einige Passagen sogar wörtlich von Beccaria übernommen. Dennoch ist festzuhalten, daß sich die alte monarchische Justiz trotz aller Reformen in einigen Ländern noch bis weit ins 19. Jahrhundert hinein hielt. Typisch für sein aufgeklärtes Denken ist sein berühmtestes Werk: Über Verbrechen und Strafen

Freilich hatte auch der „aufgeklärte" Strafvollzug seine dunkle Seite: Verstärkt wurden nämlich diejenigen Teile der Gesellschaft ausgegrenzt, die nicht in das Schema der „vernünftigen" Menschen passen wollten und – aus welchen Gründen auch immer – sich außerhalb der bürgerlichen Norm bewegten. So kam es, daß man nicht nur verurteilte Verbrecher und Geisteskranke bzw. jene, die dafür gehalten wurden, unterschiedslos zusammensperrte, sondern auch Menschen, die sich nur Kleinigkeiten zuschulden kommen ließen und die dann oft wirklich kriminell oder gar geisteskrank wurden.