Soldatenhandel


Irgendwie mussten die Bauten, die Bankette, Feste und Jagden, die Reisen und die Liebschaften des Herzogs finanziert werden. Die Steuerschraube ließ sich nicht beliebig anziehen, der lukrative Verkauf wichtiger Ämter konnte nicht beliebig erweitert werden, Übergriffe auf die Kasse des Kirchenrats waren nicht beliebig wiederholbar, und so war bald die Grenze der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Landes erreicht. Nun griff Carl Eugen zu einem Mittel, das ihn wiederum als typischen Herrscher des 18. Jahrhunderts kennzeichnete: Er verkaufte junge Männer als Soldaten an kriegführende Staaten im Ausland. Diese Praxis war zu jener Zeit an der Tagesordnung:

Christian Friedrich Daniel Schubart:

Im Verlauf der 50er Jahre begannen im Herzogtum Württemberg die Soldatenaushebungen. Da sich nicht genügend junge Männer freiwillig meldeten, wurde jeder, der achtzehn Jahre alt und tauglich war, mit roher Gewalt geholt und mit grausamer Strenge zum Dienst gepresst. (Wie so etwas landauf, landab zugehen konnte, erfahren wir aus den Lebenserinnerungen des Schweizer Autors Ulrich Bräker, dem dieses Schicksal widerfahren ist.) Nachdem anfangs die Desertionen überhand nahmen, wurden strenge Gesetze gegen Fahnenflucht erlassen: Ein Flüchtiger, der wieder ergriffen wurde, hatte das Leben verwirkt, und wer einem Soldaten auf der Flucht half, verlor das Bürgerrecht und kam ins Zuchthaus.
Die Geldbeschaffung wurde schon bald zum Zentrum der herzöglichen Politik, und schließlich wandten sich die Landstände 1764 mit einer förmlichen Klage an das Reichshofgericht in Wien, das ihnen in seinem Urteil 1770 in allen Punkten recht gab. Am Soldatenhandel änderte sich jedoch nichts. Nachdem Carl Eugen von 1752 bis 1757 insgesamt drei Millionen Gulden am Verkauf von Soldaten verdient hatte, versuchte er 1776 weitere 3 000 Mann an England zu verkaufen. Allerdings war seine Armee völlig heruntergewirtschaftet. Die gesamte Armee bestand nur noch aus knapp 1700 Mann, deren Ausrüstung unbrauchbar geworden war. Sogar die Offizierszelte waren schon längst in Stücke geschnitten worden, weil man sie bei Festen des Herzogs gebraucht hatte. So wurde denn aus diesem Geschäft letztendlich nichts, weil die Engländer dankend ablehnten. Im Jahre 1786 hatte er mehr Glück: Die niederländisch-ostindische Kompanie orderte 2 000 Mann zum Schutz ihrer südafrikanischen Besitzungen vor britischen Angriffen. Dafür erhielt der Herzog 300 000 Gulden. Weitere 65 000 jährlich verdiente er mit der Lieferung einer ausreichenden Zahl an Ersatzleuten. Dabei schlug Carl Eugen zwei Fliegen mit einer Klappe, denn er versorgte sechs seiner illegitimen Söhne mit Offiziersstellen dieses Kapregiments und war sie damit los.
Im Jahre 1787 rückten die beiden Bataillone ab. Die Ausrüstung war miserabel, die Stimmung der Soldaten entsprechend. Sobald sie im Ausland waren, erfuhren sie, dass sie durch finanzpolitische Manipulationen die Hälfte ihres ohnehin schon niedrigen Solds verloren hatten und dass sie auf dem Schiff ihre Verpflegung selbst bezahlen mussten. Die darauffolgende Revolte wurde niedergeschlagen. Die Überfahrt war fürchterlich, und es starben ein Viertel der Männer.

Diejenigen, die schließlich in Afrika ankamen, wurden schlecht verpflegt und gingen in Fetzen gekleidet, so dass es wiederum zu einer Revolte kam, die aber erneut niedergeschlagen wurde. Schließlich wurden die beiden Regimenter geteilt und weil die Angriffe der Briten ausgeblieben waren auf verschiedene Südseeinseln abkommandiert, wo die Soldaten zunehmend verwahrlosten und an den verschiedensten Krankheiten starben. Von Ceylon aus schrieb der Kommandant des Kapregiments, Oberst von Hügel, folgende Zeilen an seinen Herzog:

1795 kam es zu Kämpfen mit den Briten, und zahlreiche Soldaten traten über oder gerieten in Gefangenschaft. Nach ihrer Freilassung blieben knapp 300 auf Java, wo sie, dem Alkohol verfallen, vor sich hin vegetierten.
Fazit: Von den anfangs 3200 Mann kamen bis zur Jahrhundertwende 2300 ums Leben, ein paar hundert waren zum Gegner übergetreten oder desertiert; nicht einmal 100 kehrten zurück. Aber Herzog Carl Eugen war um einige hunderttausend Gulden reicher, und schließlich hatte er schon zu Anfang gesagt: "Le rest peut m'être bien égal."

Der Dichter Christian Friedrich Daniel Schubart schrieb und komponierte anläßlich des Aufbruchs der beiden Bataillone 1787 das bekannte "Kaplied", das bald in aller Munde war und noch viele Jahre lang gesungen wurde.

Einer der bekanntesten Texte zum Thema "Soldatenhandel" stammt von Gottfried Seume (1763 - 1810), der 1781 von hessischen Werbern aufgegriffen und in die USA verschleppt wurde. In unserem (stark gekürzten) Textausschnitt beschreibt er die Überfahrt nach Amerika.

 

Weitere Informationen zum Soldatenhandel (ausführliches Schülerreferat)