Die Schulen des 18. Jahrhunderts

Allgemeine Schulsituation - Bildung - die Klippschule - die Dorfschule - die Klosterschule - die Lateinschule - Ritterakademie - Universitäten - Studentenleben - der Hofmeister - der Schulmeister
 

Allgemeine Schulsituation:

Bildung (am Beispiel Weimars)

Das Bildungsbürgertum Weimars ließ seinen Kindern eine höhere Ausbildung zukommen und nahm sich Hauslehrer, Kandidaten der Theologie, mittellose Schriftsteller oder Künstler zum Unterrichten. Grundzüge waren Gehorsam, Verbot allen Widerspruchs, Pünktlichkeit, Auswendiglernen, Fleiß und Ordnung.
Wer sich keinen Hauslehrer leisten konnte, schickte seine Kinder aufs Gymnasium. Daneben gab es noch eine Garnisonsschule, die ab 1771 als Freischule für arme Bürgerkinder diente und kleinere Mädchen- und Privatschulen. Ab 1826 wurden in der Bürgerschule ca. 1000 Schüler unterrichtet. Dafür standen 10 Lehrer und 6 Hilfslehrer zur Verfügung. Da alle Kinder zum Schulbesuch verpflichtet waren, gab es auch Lehrer für Blinde und Taubstumme. Hauptziele der Schulbildung waren Lesen- und Schreibenlernen, Rechnen und Kenntnisse in Religion. 1776 gründete Bertuch die Zeichenschule.
Das Hoftheater blühte unter Goethes und Schillers Einfluß und es gab mehrere Gesellschaften, die sich mit literarischen, wissenschaftlichen oder künstlerischen Themen befaßten (z. B. Goethes Freitagsgesellschaft ).
Obwohl noch viel Scheinbildung im Spiel war, war eine Hebung des Bildungsniveaus der Bürger Weimars unverkennbar. Selbst Sprachunterricht wurde erteilt und es gab eine Bibliothek, die allen offen stand. Damit war Weimar führend unter den Städten des Reiches in seiner Größe und durchaus nicht unbedingt typisch.

Klippschule: (entspricht einer Vor- bzw. Grundschule)

 Dorfschule:

Es gingen Kinder aller Altersgruppen in die Dorfschule, jedoch war der Besuch meistens unregelmäßig.
Gelehrt wurde: In den Dorfschulen, wo oft nur ein Häuflein Kinder im Winter unterrichtet wurde, ist es menschlicher zugegangen als in den Städten, wo große Scharen in die Schulstube gepfercht wurden. Auf dem Land war die Bildungsmöglichkeit also für die ärmeren Schichten verhältnismäßig gut, in der Stadt war ein guter Unterricht für viele zu teuer. Es kam zu Gründungen von Armenschulen durch Pietisten und Menschenfreunde. Die Schulung, die Bücher und die Schreibmaterialien waren frei. Finanziert wurden die Schulen durch freiwillige Spenden.

Klosterschule:

Die Klosterschulen waren häufig Internate, die von Priestern geleitet wurden. Solche Schulen waren oft vom Pietismus beeinflußt, d.h. das Motto war: „Der Grund zu lernen ist alleine die Liebe zu Gott“. Die Schüler lernten in theoretischer und praktischer Arbeit, wie z.B. Holzsägen, um Gott zu gefallen. Auch waren die Schüler nie ohne Aufsicht. Die Lehrsprache in diesen Schulen war Latein. Erst ab dem Jahre 1812 wurde in Unterricht Deutsch statt Latein gesprochen.

Lateinschule/Gymnasium:

In den Städten gab es für die reicheren Familien (Bürgersöhne/Adlige) Lateinschulen mit Griechisch und Latein. Oft waren diese Schulen in altertümlichen Backsteinbauten. Die Klassenräume waren hoch mit kahlen Fenstern und alles im kühlen Hellgrau gehalten. Die Schüler saßen an verderbten, tintenverklecksten Pulten, der Lehrer stand an einem hohen Katheder. Der einzige Schmuck in solchen Klassenräumen war eine verstaubte Gipsbüste von Homer oder Aristoteles. In diesen Schulen wurde ein großer Wert auf die Aneignung der lateinischen Sprache gelegt. Man las in lateinischen Fibeln nach Grundsätzen des Humanismus, wie z.B. „Enchirididion elementorum puerliliuin“, und dem Donat zum mechanischen Erlernen der grammatischen Grundsätze. Gelesen wurde außerdem: Livius, Tacitus, Virgil' Cicero und auch mehrere Schriften wie z.B.: Erasmus von Rotterdam. Zur Vertiefung der Sprachkenntnisse wurde Deutsch sprechen an den Schulen verboten, lat. Lektüren empfohlen und auch lat. Theaterstücke sollten eingeübt und aufgeführt werden. Natürlich wurde auch die lateinische Dichtkunst hoch angesehen. Für die Erlernen des griechischen Sprache wurden geringere Anforderungen gestellt. Erst in der Mitte des 1 18.Jh, zur Zeit des Neuhumanismus, wurde es wieder stärker gefördert. Neuhumanismus entstand in der Schule selbst durch Lehrer/Rektoren. Geistige Bildung und Pflege des Geschmacks und des Urteils waren das Wichtigste in dieser Art von Schulen. Die griechische Sprache sollte durch Gebrauch erlernt werden. Oft wurde die heilige Schrift übersetzt, oder man gab dem Schüler Stücke von Sokrates in die Hand, „damit er sich den besten Wortschatz und Formenlehre einprägen konnte“. An manchen vornehmen Schulen wurde auch Hebräisch gelernt, um die heilige Schrift besser verstehen zu können. Außer der Grammatik wurden auch noch Rhetorik, Dialektik von Aristoteles gelernt. Dazu kamen noch mathematische Grundlagen jedoch (waren auch hier oft Brüche unbekannt), Geographie, und alte Geschichte (zum Großteil durch klassische Schriften von Vergil, Xenophon gelehrt. In den katholischen Gebieten gab es Jesuitengymnasien wie z.B. das Ellwanger Gymnasium. Dort legte man vor allem Wert auf das Theaterspielen. Gespielt wurden Dramen mit Musik, Chören und Tanz. Die Themen waren Verherrlichung der Mutter Gottes über Heiligenlegenden bis zu Christi. Moritaten, wobei Abenteuer glaubensstarker Helden in türkischer Gefangenschaft oder Kampfgetümmel zwischen Christen und Türken besonders beliebt waren. Aber auch Antikes wurde gespielt, wie z.B. das Singspiel von Iphigenie. Das Jesuitenkolleg in Dilligen war eine Akademie die sechs Gymnasialklassen und eine Universität umfaßte, in der in ihrer Glanzzeit 700 Studierende befanden. Auch hier war die Unterrichtssprache bis 1780 Latein. Im Lehrplan waren Dogmatik, Sittenlehre, Dichtkunst, Griechisch, Historie und Arithmetik enthalten. Erst 1786 gab es eine Reform, in der Latein durch Deutsch ersetzt wurde. Damit strömte auch zeitgenössische Literatur, wie Schubart, Lavater, Moses, Kleist, Lessing, Goethe (das Leiden des jungen Werther) in die Schule. In den Lateinschulen gab es selten mehr als 3 Lehrer, doch diese waren von unterschiedlicher Natur. Da gab es joviale Bierbäuche, witzige Zyniker, herrische Tyrannen, kantige Sonderlinge, gehemmte und schüchterne Träumer. Es war eine verbreitende Gewohnheit, Lateinschüler bei einem Lehrer in Kost und Pension zu geben.

Ritterakademie: (Schule für junge Adlige)

Gelehrt wurde Französisch, Latein, Mathe, prakt. Fähigkeiten, Fechten, Reiten Die großen Schulen waren das Collegium Mauritanum in Kanel und das Collegium illuste in Tübingen. Trotzdem wurde der private Unterricht meist vorgezogen, was auf die päd. Philosophen wie Locke und Rousseau zurück geht.

Universitäten:

Die Universitäten zeichneten sich dadurch aus, dass es wenige Professoren und nur einige hundert Studenten gab.Die Unis standen jedem aus jeder Nation offen. Es wurde in oft recht seltsamer Einteilung nach „Nationen“ unterschieden z.B.: Franci, Normanni, Picardi, Alemani =>Paris); Böhmen, Polen, Bayern, Sachsen =>(Prag); Bei den Gründungen wurden ländliche Gebiete bevorzugt. Göttingen (1787): 810 Studenten (241 Theologen, 398 Juristen; 97 Mediziner, 7 Mathematiker, Philosophen, Philologen, Ökonomen, Historiker, freie Künstler hohe Karlsschule in Stuttgart/ (ab l 782 Uni): 350 Studenten (Zöglinge) dazu kamen noch 80 "
„Oppidianer“ (außerhalb der Anstalt lebende Studenten) Rostock (1780): 12 Professoren, 40 Studenten Die Hörsäle, Bibliotheken und Anatomien waren oft eng, dürftig eingerichtet, verstaubt und verrußt. Sie befanden sich meist in mittelalterlichen, klösterlichen und gotischen Gebäuden. Oft hielt der Professor die Vorlesungen für 3-4-Stunden daheim. Erst seit Thomasius wurde die deutsche Sprache auf den Unis als Unterrichtssprache eingeführt. Oft fand auf den Unis ein hartes Aufeinandertreffen der zum Teil bis auf das Blut verfeindeten Anhängern der verschiedenen Richtungen, also des Neuhumanismus (Pietismus) und Realismus (Aufklärung). Öfters gab es auch Streit zwischen Professoren oder Professorenfrauen. Es fielen Beleidigungen wie „trübseliger Ignorant“ oder „stupider Mönchskopf“. 

Studentenleben:

Das Studentenleben zeichnete sich durch wilde Schlägereien, Roheit, und viehisches Saufen aus. Dazu gab es einen Saufkodex und Saufzwang (Zeremoniell vom Zutrunk bis zum Auskosten): "Es wird getrunken Totalis und Partialis. Der modus bibendi totalis geschieht entweder continve d.i. nach und nach. Continue wird entweder Floricos oder Hausticos verrichtet. Floricos trinken heißt: „den Rand des Gefäßes, in welchem das Getränk ist, mit dem Letzten des Bundes ringsherum umgeben und mit einem Sturm den zugebrachten Getränk in die Gurgel schütten, daher dann aus Widertrieb des Atems Weine Bläschen auffahren, welche die unseren Flores, zu deutsch Blümlein oder Röslein zu nennen pflegen“. Hausticos ist das Trinken auf gewöhnliche Weise. Wenn einer einen Floricostrunk nicht trinken kann, soll er dazu nicht gezwungen werden. Hausticos muß aber jeder trinken. „Es mag ihm keine Entschuldigung helfen, sondern soll trinken bis ihm die Augen übergehen". Der Umgang mit dem anderen Geschlecht ist nicht wählerisch und grobschlächtig. Außerdem veranstalten die Studenten sog. Pereien (perat = niederverrecke), d.h., lautes Grölen, Fenstereinschmeißen, Hantieren mit vollen Nachtgeschirren und allgemeines Wasserabschlagen. Dies wurde an Rektoren, Professoren aber auch an Bürgern, die ihre Töchter zu gut verwahrten oder an Gläubigern, die allzu energisch auf Zahlung drängten, vollzogen. Ein wichtiges Element des Studentenlebens ist die Schuldenmacherei (daher auch die Redensart: „Herein - wenn's kein Schneider ist“. Die Studenten hatten überhaupt ihre ganz eigene Sprache, die man außerhalb der Burschenwelt nicht verstand. Diese war nicht selten sehr rüde. Sie ist ein Gemisch von den schurkigsten Ausdrücken dieser oder jener Provinz, Stadt, Schule oder Universität. In Jena hätte ein große Wörterbuch mit diesem Dialekt gefüllt werden können. Bsp.: „schießen“ = heimlich entwenden (Burschensprache). Daher kommt der Ausdruck „Aufpassen wie ein Schießhund".

Hofmeister (Haus-und Privatlehrer)

Bedienter, der zu Tisch der Herrschaft zugelassen war, jedoch nur bei den Zöglingen, da er hier die Tischsitten zu überwachen hatte. Oft waren Hofmeister geduckte, scheue, junge Männer, für die diese Stelle der erste Schritt in die „Welt" war. Öfters waren deshalb diese Lehrer angstvoll, schüchtern und gehemmt. Privatlehrer wurden eingestellt, wenn die Eitern Schule nicht für ausreichend befanden. Statt beim Hofmeister wurde den Kindern auch noch oft Französisch beigebracht (Dies nur für die Adligen). Das Idealbild war der Franz. Kavalier, deshalb hat man nicht selten einen Franz. Hofmeister angestellt. Hauslehrer gab es auch in bürgerlichen Familien. Gelegentlich erteilte sogar der Vater selbst seinen Kindern Unterricht. Seine Aufgaben waren zuhören, abhören, hineinreden, und natürlich auch die gängigen Strafen in dieser Zeit, wie Kopfnüsse, Hiebe etc. Meist gingen die reicheren Kinder gar nicht in die Schule. Hier war ein Hofmeister für die Erziehung und die Bildung der Zöglinge zuständig. Nur ausnahmsweise wurden die Söhne auf Schulen geschleckt, aber dann nur auf solche, die auf die Ausbildung junger Adliger besonders eingestellt waren. Bekannte Hofmeister: Kant, Wieland, Jung- Stilling, Hölderlin, Hegel, Schubart.

Der Schulmeister:

Die Schulmeister waren wenig angesehen und miserabel besoldet. Ein Teil ihres Gehalts wurde in Naturalien, Roggen und Brennholz ausgezahlt. Deshalb hatten die Schulmeister oft Nebeneinkünfte, wie z.B. Orgelspielen, Privatstunden, Bartscheren oder Schnitzen. Oft waren die Lehrer gepeinigt von Kopf- oder Zahnschmerzen, Rheuma, Zipperlein oder Magenschwüre. Viele hatten aber einfach nur Hunger. Ihre schlechte Laune ließen sie dann meistens bei den Schülern aus.

Wer war als Lehrer geeignet? (Anweisung Friedrich 2. 1779):

 
 
 
 
 

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