Schillers Weg zu Kabale und Liebe

(Referat von Anna-Katharina Díaz-Méndez, 12 a, 2004)

  


Inhaltsverzeichnis

Friedrich Schillers Leben bis 1784                                 

a) Kindheit                                                                          

b) Die Zeit in der Karlschule                                               

c) Regimentsmedikus                                                           

d) Auf der Flucht                                                                

e) Bauerbach                                                                      

Herzog Karl Eugen von Württemberg                            

a)   Lebensweise                                                               

b)   Auswirkungen für das Volk                                         

c)   Franziska von Hohenheim   
                                      
                        

Schillers Weg zu „Kabale und Liebe“                            

Literarischer Hintergrund                                              

Quellenverzeichnis

 

 

 

 

 

Schillers Leben bis 1984

a)    Kindheit

Friedrich Schiller wurde am 10. November 1759 in Marbach am Neckar geboren. Sein Vater Johan Kasper Schiller war Offizier und stand in den Diensten des württembergischen Herzogs. Er erzog seinen Sohn sehr streng und wollte mit dieser Erziehung erreichen, dass er so viel Bildung wie möglich erlangte, was ihm selbst verwehrt worden war. Der junge Friedrich erwies sich aber auch schon früh als wissbegieriges Kind. Mit fünf besuchte er bereits die Dorfschule in Lorch  und ein Jahr später begann er beim Pfarrer Latein zu Lernen. Dieser beeindruckte den Jungen sehr, sodass in ihm der Wunsch geweckt wurde selbst Pfarrer zu werden.

b)   Zeit in der Karlsschule

Doch dieser Kindheitstraum wurde von den Plänen des württembergische Fürstens durchkreuzt. Herzog Karl Eugen war ein absolutistischer Herrscher und lebte nach dem Versailler Vorbild. 1772 gründete er eine „Militär Pflanzschule“ mit der Absicht sich als Pädagoge hervor zu tun und Offiziere und Beamte in seinem Sinne heran zu ziehen.

Alle Schulen des Landes wurden beauftragt dem Herzog begabte Schüler (vorzugsweise aus Beamten- und Offiziersfamilien) zu melden. Dessen Familien wurden dann mehr oder weniger gezwungen ihre Söhne auf die Militärschule zu schicken. So gelangte schließlich auch der dreizehnjährige Friedrich Schiller auf die Pflanzschule in Ludwigsburg. Dort verbrachte er die nächsten acht Jahre seines Lebens. Es war eine harte Zeit. Der Tagesablauf war militärisch nach einem festen Zeitplan geregelt. Es gab keine Ferien und sogar die wenige Freizeit, die den Jungen blieb, war  verplant. Herzog Karl Eugen kümmerte sich persönlich um alle Angelegenheiten in seiner Schule. Um auch über alles Bescheid zu wissen, ließ er sich nicht nur schriftlich und mündlich informieren. Nein, er kontrollierte sowohl Lehrer als auch Schüler indem er heimlich durch die Gänge streifte und entweder überraschend in den Schlafsälen oder Krankenzimmern auftauchte oder durch die Gucklöcher spähte, die in jeder Tür eingelassen waren.

Er forderte hohe Leistungen von „seinen Söhnen“, wie er sie nannte, verlangte von ihnen unbedingten Gehorsam und Dankbarkeit für die Ehre, die ihnen zu Teil wurde an dieser Anstalt lernen zu dürfen.

Er legte auch ziemlichen Wert auf die Ständeunterschiede. Dies ließ er auch seine „Söhne“ spüren. Er verlieh Auszeichnungen an Schüler, die sich besonders hervortaten. Waren sie adelig, so durften sie ihm die Hand küssen, als Bürgerliche nur den Rockschoß.

So standen die Schüler unter einem enormen Leistungsdruck, dem der Junge Schiller wohl bald nicht mehr gewachsen war. Seine Leistungen wurden jedes Jahr schlechter und er war oft krank. Das mag unter anderem auch daran liegen, das er zum Jurastudium gezwungen wurde. Das Fach interessierte ihn überhaupt nicht und der bisher so brave und lerneifrige Schüler begegnete dem ganzen nur noch mit Gleichgültigkeit, was wahrscheinlich auch an den Unterrichtmethoden lag.

1875 wurde die Akademie von Ludwigsburg nach Stuttgart verlegt. Karl Eugen schenkte seiner Schule zur Feier des Tages das neue Lehrfach Medizin. Da Schiller so schlechte Leistungen im Fach Jura gezeigt hatte, wurde er nun zum Medizinstudium eingeteilt. Anfangs weigerte er sich vehement. Doch schließlich glaubte er, dass er in dieser noch nicht weit erforschten Wissenschaft mehr Freiheit finden würde, da sie seiner Meinung nach „kühner und damit der Poesie verwandter sei als“ andere.

In dieser Zeit änderte sich sein Wesen gänzlich. Seine Einstellung zu seinem Schicksal entwickelte sich vom stummen Erdulden zu versteckten Hass. Lähmung und Gleichgültigkeit fielen von ihm ab. Seine Gesundheit verbesserte sich zusehends und er bekam auch wieder bessere Noten. Gleichzeitig entwickelte sich auch seine Leidenschaft zu Dichten. Schon in Ludwigsburg hatte er damit begonnen. Sein erstes Gedicht soll er bereits mit dreizehn Jahren, noch im elterlichen Haus verfasst haben, außerdem auch ein Trauerspiel, genannt „Die Christin“. Beide Werke sind allerdings nicht erhalten.

Nun mit sechzehn/ siebzehn Jahren begann seine eigentliche schriftstellerische Laufbahn. Mit einer Gruppe von Freunden fing er an alles zu Lesen, was ihm in die Finger kam, obwohl es den Schülern der Pflanzschule verboten war private Lektüre zu lesen. So fand er auch neue Vorbilder wie z. B. Shakespeare.

Unter anderem verehrte er auch den damals sehr bekannten Künstler Schubart. Dieser lebte im Exil. Er hatte vier Jahre am Hofe Karl Eugens als Organist und Musikdirektor gearbeitet, doch Schubart hatte den Adel immer verachtet und schrieb während seiner Zeit bei Hofe Spottgedichte über ihn. So wurde er 1773 aus Württemberg verbannt. Schließlich ließ er sich in Augsburg nieder und publizierte die Zeitschrift „Deutsche Chronik“. Seine Zielgruppe war dabei das sich emanzipierende Bürgertum und er wetterte in satirischen Spottgedichten gegen Adle und Klerus. Der achtzehnjährige Schiller und seine Freunde verschlangen Schubarts Texte geradezu. Eine Erzählung Schubarts inspirierte Schiller schließlich auch zu seinem ersten erhaltenen und berühmt gewordenen Drama „die Räuber“.

Herzog Karl Eugen gelang es mit einer List Schubart nach Württemberg zu locken und ihn fest zunehmen. Dieses Verhalten des Fürsten schürte Schillers Hass auf ihn. Nun wollte er sein Stück auch als Art Rache für Schubarts Schicksal schreiben. Die Arbeit daran musste er aber bald für ein Jahr niederlege, da er seine Examensarbeit zu schreiben hatte. Verständlicher Weise wollte er die nun schnell und gut bestehen. Denn nur auf diese Weise konnte er, wie er glaubte, seine Freiheit erlangen und der Akademie den Rücken kehren. Er bestand die Abschlussprüfungen 1779 mit Auszeichnung. Doch der Herzog entließ ihn trotzdem erst ein Jahr später, was Schillers Hass auf den Fürsten weiter steigerte. Wobei Karl Eugen diesen Entschluss auf Anraten von Schillers Professoren fasste. Für deren Geschmack hatte Schiller in seiner Examensarbeit die Autoritäten der damaligen Medizin und Physiologie zu sehr in Frage gestellt.

In diesem letzten Jahr an der Akademie hatte Schiller aber mehr Freizeit als jemals zuvor.  So fand er endlich Zeit genug an „den Räubern“ weiter zu schreiben.

 

c)    Regimentmedikus

Nachdem Schiller im Dezember 1780 aus der Akademie entlassen worden war, musste er bald feststellen, dass seine Freiheit immer noch wesentlich durch den Herzog eingeschränkt wurde. Dieser bestimmte das weitere Schicksal des jungen Mannes, indem er ihn als Regimentsmedikus des Grenadierregiments Augé bei Stuttgart  einberief.

Schiller hatte zunächst auch vor sich in sein Schicksal zu fügen und die medizinische Laufbahn aufzunehmen. Doch schon bald fing ihn dieses Leben zu langweilen an. Sein Beruf und die Medizin interessierten ihn überhaupt nicht. Er durfte die Stadt nicht verlassen ohne vorher um Urlaub zu bitten.

Im Februar 1781 bezog er mit einem ehemaligen Mitschüler ein kleines Parterrezimmer zur Untermiete in Stuttgart. Dort verlebte er zwei Jahre mit seinen Freunden und führte das Leben eines Studenten. Seinen Beruf vernachlässigte er bald sehr. Sein Vorgesetzter überließ die medizinische Betreuung auch bald mehr und mehr dem Feldscher des Regiments. Schiller hatte nämlich wohl in einem Anflug von Übereifer seinen Patienten zu hohe Medikamentsdosen verabreicht.

So widmete sich der junge Mann, neben den Vergnügungen mit seinen Freunden, weiter seiner großen Leidenschaft, dem Schreiben. Im Frühjahr 1781 befand er „die Räuber“ für druckreif und machte sich auf die Suche nach einem Verleger. Da er keinen fand, lieh er sich 150 Gulden und ließ das Stück auf eigene Kosten in Stuttgart drucken. Dann schickte er die ersten Seiten des Drucks, dem Buchhändler und Freund, Christian Friedrich Schwan. Dieser lehnte es ab, das Buch zu verlegen. Er meinte das Stück seinem Publikum nicht zumuten zu können. Trotzdem war er von dem Drama begeistert und las es dem Leiter des Mannheimer-Hof Nationaltheaters, Wolfgang Heribert von Dalberg, vor. Außerdem schickte er Schiller Verbesserungsvorschläge um das Stück abzuschwächen. Schiller ging darauf ein und arbeitete große Teile des Stücks um. Dann schickte er die neue Fassung an die beiden Mannheimer. Dalberg gefiel das Stück nun so gut, dass er Schiller um eine Bühnenbearbeitung bat und auch Interesse für eine spätere Zusammenarbeit zeigte. Allerdings verlangte er immer noch ziemlich viele Änderungen. Schließlich musste Schiller das Stück sogar ins ausgehende 15. Jahrhundert verlegen.

Schließlich wurden „die Räuber“ am 13. Januar 1782 im Mannheimer Nationaltheater uraufgeführt. Schiller war mit einem Freund heimlich angereist.

Ende Mai begab sich Schiller wieder auf eine Reise nach Mannheim ohne um Urlaub gefragt zu haben. Doch dieses mal erfuhr Karl Eugen von Schillers Ungehorsam. Zur Strafe ließ er Schiller zwei Wochen unter Arrest stellen und Verbot ihm „jeden Verkehr mit dem „Ausland““. Durch eine Stelle in „den Räubern“ in der, der Schweizer Kanton Graumünden als „ Athen der heutigen Gauner“  bezeichnet wurde, kam es in verschiedenen Zeitungen zu Protesten. Aus Wut  darüber, dass Schiller ihn in Konflikte mit dem Ausland zu bringen drohte, erteilte der Herzog Schiller nun auch noch ein Schreibverbot. Schiller bat in einem Brief den Fürsten die Angelegenheit noch einmal zu überdenken. Doch als dieser darauf nicht einging, sah Schiller keinen anderen Ausweg mehr als ins Ausland zu fliehen. 

d)   Auf der Flucht

 Mitte September 1782 veranlasste der Herzog zu ehren eines Staatsbesuches eines Verwandten, dem Großfürst Paul von Russland einige Festlichkeiten. So bot sich eine gute Gelegenheit um den Fluchtplan auszuführen. Mit einem guten Freund an seiner Seite, einem jungen Musiker, namens Andreas Streicher, verließ Schiller Stuttgart in der Nacht auf den 23. September. Am nächsten Tag erreichten sie ihr zunächst sicher geglaubtes Ziel, Mannheim. Sie fanden Zuflucht beim Regisseur Meyer vom Mannheimer Theater.  Dessen Frau war bei den Festlichkeiten in Stuttgart, ebenso wie Herr von Dalberg. Als Meyers Frau zurück kehrte, berichtete sie, dass vermutet werde, dass Karl Eugen, Schiller verfolgen lassen werde oder seine Auslieferung verlangen werde. Man riet ihm Mannheim zu verlassen. Karl Eugen wusste nämlich auf Grund eines Briefes, ein letzter verzweifelter Versuch Schillers, ihn umzustimmen, wo der Dichter sich aufhielt. Er ging mit Streicher zunächst nach Frankfurt. Doch die beiden waren so gut wie mittellos und die Stadt zu teuer für einen längeren Aufenthalt. Seine mannheimischen Freunde rieten Schiller sich in Oggersheim niederzulassen. In diesem kleinen verschlafenen Dorf, dicht bei Mannheim, hatte er ständigen Kontakt zu ihnen und konnte mit Streicher billig leben.

Bald musste er aber auch wieder von dort fort. In Mannheim war ein württembergischer Offizier aufgetaucht, der nach Schiller fragte. Schillers Freunde befürchteten natürlich, dass er im Auftrag Herzog Karl Eugens unterwegs war. Später stellte sich dieser Verdacht als falsch heraus. Der württembergische Offizier, war ein alter Freund der Schiller besuchen wollte. Doch durch seine Mannheimer Freunde bedrängt, nahm Schiller das Angebot einer mütterlichen Freundin und Gönnerin war. Henriette von Wolzogen hatte vier Söhne auf Karl Eugens Militär-Pflanzschule und war schon seit langer Zeit mit Schiller befreundet. Sie besaß ein kleines, kaum benutztes Gutshaus in einem thüringischen Dorf namens Bauerbach. Dieses stellte sie Schiller nun zur Verfügung.  

e)    Bauerbach

 In Bauerbach fand Schiller nach den langen Strapazen der Flucht endlich einen Ort an dem er Ruhe und mehr Zeit zum Schreiben hatte. Allerdings wurde ihm die Zeit auch einsam. Sein Freund Streicher hatte ihn nun auch verlassen müssen und war in Mannheim geblieben. Bisher war Schiller immer an Freunde in seiner Umgebung gewöhnt gewesen. Er hatte sich beim Schreiben immer mit ihnen beraten um seine Gedanken bilden und klären zu können.

Unter diesen neuen,  anderen Bedingungen fing er an „Luise Millerin“ zu schreiben, Heute unter dem Namen „Kabale und Liebe“ bekannt. Die Idee zu diesem bürgerlichen Trauerspiel soll ihm schon während der zwei Wochen Arrest in Stuttgart gekommen sein. Auch auf der Flucht hatte er schon an der Idee gearbeitet. Hier in Bauerbach fand er nun endlich die Ruhe sich ganz seiner schriftstellerischen Tätigkeit zu widmen. Während der Arbeit an der „Luise Millerin“, verfolgte er allerdings gleichzeitig noch andere Projekte, die Dramen „Don Carlos“ und „Maria Stuart“.

Als der Intendant Dalberg von „Luise Millerin“ hörte interessierte es ihn besonders, weil es ein bürgerliches Trauerspiel werden sollte. Er bat Schiller das Stück für das Theater umzuschreiben. Schiller hielt Dalberg zuerst hin, da dieser es abgelehnt hatte sein Werk „die Verschwörung des Fiesco zu Genua“ zu inszenieren. Doch das Interesse Dalbergs stachelte seinen Ergeiz an und er legte die anderen Projekte beiseite um mit dem Stück so schnell wie möglich fertig zu werden. Im Juli 1783 reiste er wieder nach Mannheim, wo er von Herrn von Dalberg eine Anstellung als Theaterdichter angeboten bekam. Dies war insofern verwunderlich, da Dalberg nichts mit Schiller hatte zu tun haben wollen, nachdem dieser geflohen war. Doch Schiller nahm das Angebot selig an.

Am 13.04.1784 wurde „Kabale und Liebe“ uraufgeführt. Der damals berühmte Schauspieler, aber weniger anerkannte Komödienschreiber W. A. Iffland hatte der „Luise Millerin“ den neuen Titel verliehen. Iffland war es auch, der in der Uraufführung Sekretär Wurm spielte. Das Stück war bei der ersten Vorstellung ein voller Erfolg.  

 

 

 

Herzog Carl Eugen


a) Lebensweise

Herzog Karl Eugen wurde 1728 geboren und bereits mit sechzehn Jahren Regent des Herzogtums Württemberg. Er entwickelte sich schnell zu einem schlimmen Tyrannen. ER war ein durch und durch absolutistischer Herrscher. Sein Wort war Gesetz, er war nur Gott verpflichtet. Er führte ein ausschweifendes Leben: sein Hofstaat umfasste circa 2000 Personen; er hielt oft große Festlichkeiten ab; ging er auf Reisen, so begleiteten ihn 700 Personen und 600 Pferde. Zu den Vergnügungen des Adels gehörte auch das Mätressenwesen. Nicht nur, dass der Fürst zahlreiche Liebschaften hatte, wenn ihm danach zu Mute war, nahm er sich auch Töchter aus den unteren Ständen. So kam es auch, dass Karl Eugen zahlreiche illegitime Kinder hatte. Die Mütter wurden mit einer einmaligen Skortationsstrafe von 50 Gulden „entschädigt“, hatten aber sonst keine weiteren Ansprüche.

b) Auswirkungen für das Volk

Unter dieser Vergnügungssucht und Willkür ihres Herrschers litt das Volk natürlich sehr. Die Bauern z. B. an den Jagdgesellschaften, die Karl Eugen zu so gerne veranstaltete. Dafür wurde sehr viel Wild benötigt. Das dies die Ernten der Bauern zerstörte wurde nicht zur Kenntnis genommen. Es war der Landbevölkerung auch bei Strafe verboten etwas dagegen zu unternehmen. Um das Geld für sein kostenspieliges Leben zu erhalten, verkaufte er viele seiner jungen Untertanen als Soldaten ins Ausland. Diese Methode war zu jener Zeit nicht unüblich. Da sich nicht genug Freiwillige meldeten, wurden schließlich viele junge Männer zum Dienst gezwungen. Schon die Reisebedingungen unter denen sie aufbrechen mussten waren menschenunwürdig und kaum einer der aufgebrochenen Soldaten sah seine Heimat jemals wieder.

 

 Franziska von Hohenheim

 

Erst durch die Begegnung mit Franziska von Hohenheim im Jahr 1761 veränderte sich Karl Eugens Wesen etwas. Franziska von Hohenheim wurde bald zu des Herzogs wichtigster Mätresse und übte eine großen Einfluss auf ihn aus. 1778 ließ er anlässlich seines fünfzigsten Geburtstages eine Art Reuebekenntnis verlesen und versprach eine verantwortungsvollere Regierung. Außerdem weckte Franziska in dem Fürsten pädagogische Neigungen und gemeinsam gründeten sie die Karlsschule ( Militär-Pflanzschule). Wohl eher inoffizieller Anlass war auch, dass Karl Eugen seinen illegitimen Nachkommen zu einer guten Ausbildung verhelfen wollte.

Franziska von Hohenheim gilt auch als historisches Vorbild für die Lady Milford in „Kabale und Liebe“. Es lassen sich auch einige Parallelen erkennen: Franziska von Hohenheim entstammt einem verarmten Adelsgeschlecht, eben so wie Lady Milford. Auch die Lady übt einigen Einfluss auf den Fürsten aus und beide wollen dem unterdrückten Volk helfen. Doch im Gegensatz zu Lady Milford verlässt Franziska von Hohenheim ihren Fürsten nicht, sondern heiratet ihn nach dem Tod seiner rechtmäßigen Frau 1786.       


Schillers Weg zu „Kabale und Liebe“

 Wie man an seiner Biographie sieht wurde Schillers Schicksal, vor allem in seinen Jugendjahren, sehr vom Einfluss Karl Eugens bestimmt. Diesen ganzen Hass auf den Fürsten und das willkürliche Herrschaftssystem, in dem er bis jetzt gelebt hatte, verarbeitete Schiller nun in einem Drama: „Kabale und Liebe“. Dieser Hass hat sich im Laufe von Schillers Leben immer mehr angestaut: Zunächst wurde sein Kindheitstraum Pfarrer zu werden- den seine Familie sehr unterstützte- zerstört. Als er nach Jahren aus dem unfreiwilligen Aufenthalt in der Akademie entlassen wurde, durfte er wieder nicht frei über sein Leben verfügen. Er wurde als Regimentsmedikus für eines der heruntergekommensten Regimenter eingeteilt. Auf die Anfrage von Schillers Vater, ob sein Sohn Zivilkleidung tragen dürfe um seinen Beruf auch privat ausüben zu können, ging der Herzog nicht ein. Also wurde Schiller auch diese kleine Freiheit genommen. Doch diese ganzen Entbehrungen, die letzten Jahre in der Akademie, die Zeit als Regimentsmedikus, dieses Gefangensein an einem Ort- er durfte Stuttgart ja nicht ohne Genehmigung des Herzogs verlassen- über diese Zeit hatte ihm nur seine letzte große Leidenschaft, das Schreiben, hinweg geholfen. Als er dann in Mannheim mit dem Theater an „den Räubern“ arbeitete, merkte er zum ersten Mal was es heißt frei über sein Tun und Handeln entscheiden zu können. Als er nach der Uraufführung „der Räuber“ wieder nach Stuttgart zurück kehrte, verfiel er in eine Depression und erinnerte Herrn von Dalberg in einem Schreiben an sein gegebenes Versprechen: die weitere Zusammenarbeit zwischen Schiller und dem Theater. „ ...Und doch bereue ich beinahe die glücklichste Reise meines Lebens, die mich, durch einen höchst widrigen Kontrast meines Vaterlandes mit Mannheim, schon so weit verleitet hat, dass mir Stuttgart und schwäbischen Szenen unerträglich und ekelhaft werden. ... Darf ich mich Ihnen in die Arme werfen, vortrefflicher Mann?“ In dieser dunkelsten Stunde seines jungen Lebens, erfuhr der Herzog von seiner heimlichen Reisen nach Mannheim und stellte Schiller unter Arrest. In dieser Zeit kam ihm der Gedanke zur Flucht und die Idee zu „Kabale und Liebe“: seine Abrechnung mit dem Fürsten. Er schrieb das Stück dann auch auf der Flucht und im „Exil“ von Bauerbach. Diese Zeit war ein großer Umbruch in seinem Leben. Es veränderte sich kolossal. Er musste befürchten seine Heimat, womöglich seine Familie und Freunde nie wieder zu sehen. Er gab die Schuld daran natürlich Karl Eugen und dem absolutistischen System, ohne das der Fürst nie so viel Macht hätte. So sind die Kritikpunkte, die er in dem Drama verarbeitete verständlich:

I.     Der Absolutismus und die dadurch legitimierte grenzenlose Macht des Fürsten → Obwohl der Fürst im ganzen Stück nicht in Erscheinung tritt, ist sein Einfluss doch allgegenwärtig, das Tun und Handeln der Personen ist auf ihn ausgerichtet, z. B. Plan Lady Milford zu verheiraten.

 II.     Die menschenverachtenden Methode zur Finanzierung des Staates → Soldatenhandel → Kammerdienerszene, 2.Akt, 2. Szene                       III.     Unmoral des Adels→ Mätressenwesen → Lady Milfords Rolle, Präsident von Walters Annahme über Ferdinands Absichten gegenüber Luise 1. Akt, 5.Szene, S.18 Z.1ff; Millers gleiche Annahme, 1. Akt, 1. Szene  

IV.     Allgemeine Kritik an der Ständegesellschaft → Präsident von Walters Machenschaften, Hofmarschall von Kalbs Charakter, als ängstlicher „Windbeutel“, Sekretär Wurm, als hinterlistiger nur auf seinen Vorteil bedachter Schurke, Millerin, mit ihrer Bewunderung des Adels und damit falschen Wertvorstellungen; Miller, als Vertreter des Bürgertums; Luise und Ferdinands unglückliche Liebe, die durch Ständegesellschaft unmöglich wird.

V.     → persönliche Kritik an Herzog Karl Eugen, Punkte I.-IV. aus Erfahrungen und Beobachtungen des Lebens im württembergischen Staat resultiert.

 

Literarischer Hintergrund

 Schillers „Kabale und Liebe“, weist starke Einflüsse durch Gotthold Ephraim Lessings Stück „Emilia Galotti“ auf. Lessing brachte das „bürgerliche Trauerspiel, das seinen Ursprung in England hatte nach Deutschland.

Diese dramatische Gattung behandelt Probleme im Familienbereich und den Konflikt zwischen den Ständen. Neue Merkmale sind, dass die Akteure sowohl adlig als auch bürgerlich sind, zuvor war nur der Adel aufgetreten. Die „Großen“ und der „Pöbel“ werden allerdings ausgeschlossen. Deshalb ist auch der Schauplatz die Familie und nicht der Hof. Entscheidende Kriterien für diese Akteure sind nun Gesinnung und Bildung. Das bürgerliche Trauerspiel hat keinen öffentlich-politischen Charakter. Im Sturm und Drang wurde es aber zusehends gesellschaftskritischer. Es bot also die besten Voraussetzungen für ein Drama, das Schiller im Sinn hatte um mit Karl Eugen abzurechnen.

Aber abgesehen von der Gattung lassen sich noch viele andere Ähnlichkeiten zwischen den beiden Dramen „Emilia Galotti“ und „Kabale und Liebe“ finden.

Lessings Drama wurde 1772 uraufgeführt. Das Stück spielt in Italien. Hettore Gonzalga, Prinz von Guastalla hat sich in Emilia Galotti verliebt und macht ihr seine Aufwartung, wird aber abgewiesen, da sie in Kürze den Grafen Appiani heiraten wird. Gonzalgas Kammerherr ersinnt nun den Plan das Paar auf ihrem Weg zur Trauung überfallen zu lassen. Der Plan gelingt. Appiani stirbt und Emilia wird zusammen mit ihrer Mutter auf ein nahe gelegenes Schloss des Prinzen gebracht, wo dieser sie schon erwartet. Er versucht die Tat als Überfall von Wegelagerern darzustellen, doch Emilias Mutter erkennt bald die Wahrheit. Nun tauchen auch noch Emilias Vater Odoardo und Gräfin Orsina, die Geliebte des Prinzen auf. Orsina fordert Emilias Vater auf Gonzalga zu erstechen, doch dies lässt dessen bürgerliches Ehrgefühl nicht zu. Als der Prinz den Wunsch verweigert Emilia in ein Kloster zu schicken, sondern erst einmal sie unter Gewahrsam Marinellis zu geben, sieht das Mädchen keinen anderen Ausweg mehr als den Tod um ihre Ehre nicht zu verlieren. Schließlich überredet sie ihren Vater dazu sie umzubringen. Der Prinz erkennt am Ende seine Schuld schiebt aber alles auf seinen Diener Marinelli.

Es lassen sich einige Parallelen zwischen den Personen der zwei Stücke erkennen:

In beiden Dramen sind die Hauptdarsteller zwei Frauen: Emilia und Luise. Luise will sich gegen Ende des Stücks auch umbringen, um ihre Ehre wieder herzustellen. Auch sie hat darüber eine Unterhaltung mit ihrem Vater, allerdings kann in „Kabale und Liebe“, der Miller seine Tochter überreden. Auch zwischen den beiden Vätern besteht eine gewisse Ähnlichkeit. Beide stehen zum Bürgertum und ihnen sind die Werte ihres Standes wichtig. Die Rolle des Prinzen lässt sich mit der des Präsidenten von Walter vergleichen. Beide sind die höchstrangigen im jeweiligen Stück und treiben durch ihre Intrigen ihre „Lieben“ in den Tod. Wurm und Marinelli sind beide „die Schurken hinter den Schurken“. Doch während Wurm den Präsidenten die Konsequenzen noch mit tragen lässt, muss Marinelli die ganze Verantwortung für die Geschehnisse übernehmen.

Quellenverzeichnis

 Bücher:

 

Titel

Autor

Verlag

Schiller

Friedrich Burschell

ro ro ro

Schiller-Chronik

Gero von Wilpert

Reclam

Arbeitsheft zur Literatur­geschichte, Sturm und Drang

Reinhard Lindenhahn

Cornelsen

Kindlers neues Literaturlexikon; Bd.10, 14

 

Komet

Internet:

 

Datum

Adresse

31.01.04

http://www.cdrnet.net/kb/data/DE_Schiller.asp

06.02.04

http://www.frauenbeauftragte.boeblingen.de/archivinhalt/frauenwege/franziskagross.htm

06.02.04

http://www.frauenbeauftragte.boeblingen.de/archivinhalt/frauenwege/franziska.htm

07.02.04

http://www.lpb.bwue.de/aktuell/puu/2_3_01/img85.jpg

07.02.04

http://www.geschichtsverein-koengen.de/Franziska.gif

07.02.04

http://images.google.de/imgres?imgurl=www.geschichtsverein-  koengen.de/Franziska.gif&imgrefurl=http://www.geschichtsverein-koengen.de/Gesch1750-1806.htm&h=250&w=181&sz=25&tbnid=Sq2F0IhFIH0J:&tbnh=104&tbnw=76&prev=/images%3Fq%3DHerzog%2BCarl%2BEugen%2B%26svnum%3D10%26hl%3Dde%26lr%3D%26ie%3DUTF-8%26oe%3DUTF-8%26sa%3DG

07.02.04

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