Der Alltag um 1800

Hygiene - Ernährung - Vergnügungen - Familienleben

Hygiene

Bis Mitte des 18. Jahrhunderts badete man äußerst selten, es war keine Seltenheit, wenn man sich ein Leben lang nicht wusch. Kindern wurden gleich nach der Geburt durch Einreiben mit Öl und Talg die Poren verstopft, weil man fürchtete, sonst beim Baden von eindringendem Wassser aufgeschwemmt zu werden. Erwachsene benutzten für ihre Hygiene und zum Entfetten der Haare Puder, der hauptsächlich aus Blei, Arsen und Schwefel bestand. Darüber hinaus wurde großzügig mit Parfume umgegangen. Eine von vielen Sorten war z.B. „Eau de Werther“ -  benannt nach Goethes Romanhelden. Dieses Verhalten begründet sich in der Furcht der Leute vor der Pest, von der man glaubte, daß sie durch Wasser, das beim Waschen in die Haut eindringt, übertragen werde. - Als sauber galt damals, wer möglichst weiße und saubere Wäsche besaß.

Erst ab 1750 wurde Wasser zunehmend therapeutisch verwendet: Kranke erhielten warme Bäder, gesunde Menschen kalte Bäder, um die Lebensgeister anzuregen. Obwohl schon Flußbäder und später auch Badehäuser existierten - die für die Allgemeinheit jedoch unerschwinglich waren - hatte Wasser noch immer keinen hygienischen Zweck. Für den Großteil der Bevölkerung entsprach ein Eintritt in eines der Badehäuser ihrem gesamten Wochenlohn.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts vollzog sich ein langsamer Wandel: Unter Sauberkeit verstand man nun nicht mehr nur die Sauberkeit der Bekleidung, auch wenn man dem Wasser noch immer mißtraute. Nach und nach wurden Badezimmer beim Adel und dem reichsten Teil des Bürgertums zu Luxusgegenständen und Statussymbolen, die sich nur wenige leisten konnten. Hygiene wurde Gesprächsthema in der Öffentlichkeit.
Beim Adel badete man nun aus Angst vor verstopften Schweißporen, von denen man sogar glaubte, daß sie zum Tode führen könnten. BadenIngres, Die Badende (1808) galt nun - besonders beim Adel - als chic und extravagant, wenngleich immer noch als gefährlich, denn das warme Wasser stand im Verdacht, in die Haut einzudringen und den Menschen aufzuschwemmen. Deshalb badete man nur kurz und begab sich anschließend sofort ins Bett, um auszuruhen und etwas zu essen. Das Bürgertum verschmähte warme Bäder. Wenn überhaupt, wusch man sich möglichst kalt, um sich abzuhärten.

Gleichzeitig begann sich auch das Schönheitsideal zu verändern: Weg vom Künstlichen und Geschminkten, hin zum Natürlichen und Ungeschminkten. Dadurch entstand ein Generationenkonflikt, ein tiefgreifender Mentalitätswandel zwischen Jung und Alt.
Langsam kamen auch Forderungen auf, die hygienischen Verhältnisse der armen Bevölkerung zu verbessern. Man verlangte, Friedhöfe und Kanalisation zu verlegen; man träumte sogar von riesigen Windrädern, die Luft durch die Straßen treiben sollten.

Ernährung der Adligen und des Bürgertums

Beim Adel dominierte die französische Küche, die derbe, umfangreiche Küche wurde abgelehnt. Man aß beim Adel mit Messer, Gabel und Löffel, besaß Geschirr aus Silber, Porzellan und Glas. Im Bürgertum hatte man hingegen Teller aus Steingut und Zinn. Es wurden neuartige Lebensmittel aus den Kolonien eingeführt wie z. B. Reis, Zucker, Pflanzenöl, südliches Gemüse und Obst sowie auch Schaumwein, den sich allerdings nur Vermögende leisten konnten und Tee und Schokolade, die sich auch das Bürgertum leisten konnte. Die ärmeren Schichten aßen weiterhin aus einer gemeinsamen Schüssel, die in der Mitte des Tisches stand. Sie benutzten kein Besteck, sondern aßen mit den Fingern. Ihr Essen war wenig variabel, einfach, voluminös und derb. Ihre Hauptnahrung bestand aus Suppe, Fleisch und Brot. Der Fleischverbrauch hatte im allgemeinen jedoch nachgelassen. Er war von 100 kg pro Kopf im Jahr (16. Jh.) auf 14 kg pro Kopf im Jahr gesunken. Am häufigsten tranken die „einfachen Leute“ Wasser, Buttermilch, Molke, Bier und Branntwein. Die Kartoffel wurde in der Mitte des 18. Jahrhunderts eingeführt. Die Bürger waren am Anfang sehr skeptisch und wußten nicht wie sie mit ihr umgehen sollten. Es gab deshalb in der Zeitung Extraseiten mit Rezepten zur Verarbeitung der Kartoffel. Sie wurde meist als Brei und Mus verarbeitet. 1828 wurde in Weimar die erste Suppenanstalt errichtet. Sie diente zur Speisung der Armen. Die Suppe bestand aus Graupen, Gemüse, Kartoffeln und Wasser und wurde zu einem geringen Preis verkauft.

Vergnügungen

Eine beliebte Vergnügung für alle Schichten stellte in dieser Zeit der TheaterbesuchHoftheater Weimar dar. Doch auch im Theater herrschte eine strenge Ständehierarchie, d. h. es gab eine strenge Sitzordnung. Das Theater galt als Mittelpunkt des geselligen Lebens, obwohl in ihm chaotische Zustände herrschten. Es war z. B. an der Tagesordnung, daß sich Theatergruppen verprügelten und die Stücke nicht aufgeführt werden konnten. Studenten hatten im Weimarer Theater ein Sonderrecht. Sie mußten nur verbilligte Eintrittspreise zahlen. Neben dem Theater gab es 1799 Konzerte für den Hof, an denen aber auch Nichtadlige teilnehmen konnten. Außerdem gab es öffentliche Tanzveranstaltungen, die vor allem im Winterhalbjahr stattfanden, und bei denen alle Teilnehmer maskiert zu erscheinen hatten. A. Böhme, Das Vogelschießen in WeimarDiese Tanzveranstaltungen dienten zum zwangslosen Miteinander zwischen Adel und Bürgertum. Bediensteten war es untersagt an ihnen teilzunehmen. Sonst feierten die Leute ihre eigenen Feste, meist auf dem Land, getrennt nach Ständen. Die Stadtbevölkerung, die nicht zu den bürgerlichen Kreisen gehörte, vergnügte sich mit Kegelabenden, Wochen- und Jahrmärkten, Vogelschießen, Lotterien und Picknicks. Geistliche Vergnügungen dieser Zeit waren z. B. „Le thé litteraire“ bei Johanna Schopenhauer (1806) und bei Goethes Schwiegertochter Ottilie (1829). Bei ihnen trafen sich Goethe, Wieland, Schütz und bekannte Damen (Frau Herder). Sie diskutierten, zeichneten, sangen oder spielten Klavier. Die Hofgesellschaften feierten ihre eigenen Feste, bei denen lediglich einige Künstler, Schriftsteller sowie hohe bürgerliche Hofbeamte zugelassen waren. Eines dieser Feste war z B. die Maskerade "bal en masque", die normalerweise am Geburtstag der regierenden Fürstin stattfand. Die Leute kamen als Priester, Engel, Lehrer, Spanier etc. verkleidet. G.M.Kraus, Abendgesellschaft
 
Familienleben

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war die handwerklich organisierte Familie vorherrschend. Der Meister, der zugleich als Vater die dominierende Person des Hauses war, die Frau, die Kinder, Gesellen, Lehrlinge und Dienstgesinde lebten zusammen. Üblicherweise hatte man mindestens 10 Kinder, da 1/3 bereits im ersten Lebensjahr starb und man sie ab dem 7. Lebensjahr als Arbeitskraft einsetzen konnte.
Die kleinen Häuser waren meist in einem schlechten sanitären Zustand, Kleider wurden in Truhen aufbewahrt und an Raumschmuck war gar nicht zu denken.
 

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