GL von Christof Puhlmann

Präsentationsdatum: 23.06.2006

 

 

Soldatenverkauf zur Zeit des Herzogs Karl Eugen von Württemberg

 

Karl Eugen von Württemberg

Zur Person:

                         

Jugend:

Karl Eugen bestieg den Thron des Herzogs direkt nach dem Tod seines Vaters und Vorgängers Karl Alexander in einem Alter von neun Jahren. Jedoch herrschten zunächst die Administratoren Carl Rudolph von Wirtemberg-Weiltingen und

Carl Friedrich von Wirtemberg-Ols, bis er schließlich mit 16 Jahren, im Jahr 1744, für mündig erklärt wurde und somit die Regierung im Herzogtum Württemberg antrat. Bis er für mündig erklärt wurde, wurde er am Hofe des Königs Friedrich II. von Preußen in Berlin erzogen.

Karl Eugens Regierung begann zum Zeitpunkt des höchsten Absolutismus.

Lebensstil Karl Eugens:

Karl Eugen galt als sehr verschwendungs- und ruhmsüchtig. Er verstand es, in feinstem Luxus zu leben und das auf Kosten anderer. Er wollte seinen Hof zum ,,schönsten und  glänzendsten“ in ganz Europa machen, man sagt auch, er wollte sich sein eigenes ,,Versailles“ erschaffen. Karl Eugen veranstaltete die spannendsten Jagden, die teuersten Opernaufführungen, die ausgefallendsten Feste und Bälle. Außerdem unterhielt er die besten Künstler. Das alles war sehr teuer und sollte nach außen einen wohlhabenden und glänzenden Anschein machen, es musste schließlich aber auch finanziert werden. Genau diese Dinge trieben letztendlich Württemberg in den Ruin, das wollte Karl Eugen nach außen hin aber nicht zeigen. Also mussten Methoden eingeführt werden, die Geld brachten, Geld, damit vor allem seine persönlichen Wünsche erfüllt werden konnten.

Methoden der Geldbeschaffung:

Nachdem das Geld knapp wurde aufgrund Karl Eugens teuren Veranstaltungen und seinen knapp 2000 Angestellten, die an seinem Hof beschäftigt wurden und schließlich auch ein vernünftiges Leben führen mussten, bezog der Herzog zunächst Geld des Kirchenrats und erhob die Steuern. Jedoch konnte er nicht immer, wenn er sich wieder einen neuen Luxus gönnte, die Steuern erheben, da die Arbeiter ohnehin schon ein bitteres und armes Leben lebten. Das heißt, diese zwei Methoden waren nicht beliebig wiederholbar. So kam es Karl Eugen gerade recht, dass Soldaten, im Ausland und vor allem im Kolonialkrieg in Amerika, benötigt wurden.

Es kam schließlich zu seiner schrecklichsten Methode der Geldbeschaffung, dem Soldatenverkauf.

Soldatenverkauf

Aufgrund der zuvor genannten finanziellen Probleme, die eigentlich gar keine Probleme waren, sondern purer Egoismus, kam es zum äußerst grauenvollen Soldatenverkauf. Junge Männer, die tauglich und 18 Jahre oder älter waren, wurden als Soldaten an Krieg führende Staaten im Ausland verkauft. Zunächst wurde nach Freiwilligen gesucht, da sich verständlicher Weise aber niemand freiwillig meldete, ordnete der Herzog an, diese jungen tauglichen Männer mit roher Gewalt und sogar mit Betäubungsmitteln dazu zu zwingen, was sehr viel über seinen egoistischen und äußerst brutalen Charakter aussagt.

In den 50er Jahren wurden die ersten Soldaten an das Ausland verkauft, die zu ihrem Dienst gezwungen wurden. Folglich flohen immer mehr junge Männer, deswegen verabschiedete der Herzog strenge Gesetze.

Z.B. wurden Flüchtige, die wieder gefasst wurden, sofort umgebracht. Jemand, der einem flüchtigen Soldaten auf der Flucht half, kam ins Zuchthaus und verlor das Bürgerrecht.

Zentrum der herzöglichen Politik (Zahlen und Fakten)

Nachdem die Praxis des Soldatenverkaufs immer mehr alltäglich wurde, wehrten sich Landstände im Jahr 1764 in Form einer Klage an das Reichshofgericht in Wien, welches ihnen später im Jahr 1770 zwar auch recht gab, aber damit trotzdem nichts am Soldatenhandel änderte.

In fünf Jahren verdiente der Herzog bis 1757 dank des Soldatenhandels ca. 3.000.000 Gulden. Nachdem der Herzog fast zwanzig Jahre keine Soldaten mehr verkaufte, war das Geld wieder knapp geworden, um weitere große Veranstaltungen zu finanzieren. So beschloss Karl Eugen im Jahr 1776, wieder 3000 Soldaten zu verkaufen, und zwar an England. Daraus wurde aber nichts, denn die Armee war nur noch unbrauchbar ausgerüstet. Jedoch konnte der

Herzog im Jahr 1786 2000 Soldaten an die Niederländisch-Ostindische Kompanie verkaufen, sie dienten zum Schutz vor britischen Angriffen. Dafür erhielt der Herzog 300.000 Gulden und jährlich noch einen Zusatzbonus von 65.000 Gulden für Nachschub bei Bedarf. Karl Eugen war es recht, dass die verkauften Soldaten nicht zurück kehrten, denn nur so konnte er Geld sparen. Von 3200 Männern kehrten gerade mal 100 wieder zurück, die er bezahlen musste.

Alles nur leere Versprechungen:

Verpflegung und Bezahlung

Zumal die Bezahlung und das Gehalt des Herzogs an die ins Ausland getriebenen Soldaten ohnehin schon sehr gering war, wurde ihnen versprochen, ordnungsgemäß verpflegt zu werden.

Im Gegenteil, sie mussten alles selber finanzieren, sogar auf dem Schiff mussten sich die Soldaten ihre Lebensmittel selber bezahlen, Lebensmittel, die verschimmelt und verfault waren.

Überfahrt ins Ausland

Den Soldaten wurde versprochen, dass sie eine gemütliche Spazierfahrt haben werden, die ca.4-6 Wochen dauern wird. In der Realität sah das anders aus, die Überfahrt dauerte ca. fünf Monate. Nach drei Monaten waren jedoch schon alle Vorräte an Lebensmitteln verdorben.

Unter schlimmsten Bedingungen fanden Überfahrten statt, ob ein schreckliches Gewitter, verdorbene Lebensmittel oder immer mehr Kranke, mit denen man eng aneinander schlafen und arbeiten musste. Die Folgen von verdorbenen Lebensmitteln und vielen Kranken waren schließlich immer mehr Kranke und auch Tote. Letztendlich starb ein Viertel der ganzen Soldaten auf einem Schiff.

 

Zusammenhang mit Friedrich Schillers

,,Kabale und Liebe“

Friedrich Schiller, der Verfasser des Dramas ,,Kabale und Liebe“, kritisierte sehr stark den Lebensstil des Herzogs Karl Eugen. Schiller war gegen die Verschwendungssucht und das  ,,Mätressenhalten“ des Herzogs. Natürlich war Schiller auch gegen den Soldatenhandel des Herzogs, jedoch waren das nicht die Gründe für Schiller, das Land zu verlassen. Der Grund für seine Flucht war die Uraufführung seines verfassten Dramas ,,Kabale und Liebe“, in der er den Herzog ausdrücklich und öffentlich kritisiert. Der Charakter der ,,Lady Milford“ soll Franziska von Hohenheim darstellen und soll zeigen, dass sie Einfluss auf den Herzog hatte. Im zweiten Akt, in der zweiten Szene des Dramas, führt sie einen Dialog mit dem Kammerdiener, der ihr wertvolle Steine vom Herzog als Geschenk überbringt. Als sie jedoch erfährt, dass die Steine von dem Soldatenhandel verdienten Geld bezahlt wurden, reagiert sie sehr abgeneigt und lehnt ab. Sie zeigt Mitleid mit dem Kammerdiener, der durch diesen Soldatenhandel seine Söhne verloren hat. Es wurde nie öffentlich, dass Schiller Franziska von Hohenheim als Vorlage der Lady Milford benutzte, trotzdem wusste es jeder.                                                                                                     

Schiller war zwar auch gegen das ,,Mätressenhalten“ des Herzogs, zeigt aber in dieser Szene ein gutes Bild von Franziska von Hohenheim. Schiller fand es auch gut, dass sie einen so positiven Einfluss auf den Herzog hatte, da ohne ihren Einfluss wahrscheinlich weitaus mehr Leute gestorben wären. Obwohl Schiller den Herzog sehr stark kritisierte und wegen ihm das Land verlassen musste, machte er nach dessen Tod seinen Frieden mit ihm, aber nur aufgrund seiner Wandlung, die er in seinen letzten Jahren durch den Einfluss von Franziska von Hohenheim durchlebte.


Franziska von Hohenheim:

Geboren: 10.01.1748 in Adelmannsfelden

Gestorben: 01.01.1811 in Kirchheim unter Teck

Sie wurde geboren als Franziska Freiin von Bernerdin und heiratete Friedrich Wilhelm Leutrum von Ertingen, den Kammerherrn des württembergischen Herzogs. Nach ihrer Scheidung wurde sie zunächst die Mätresse des Herzogs und erhielt den Titel ,,Franziska von Hohenheim“. Später wurde sie nach dem Tod von Prinzessin Elisabeth Friederike Sophie die zweite Ehefrau des Herzogs.

Inwiefern hatte sie Einfluss auf den Herzog?

Franziska von Hohenheim hatte einen positiven Einfluss auf die Gnade und die Tyrannei des Herzogs. Sie machte ihn sozusagen ,,gnädiger“. Auch sie war gegen den Soldatenhandel und verhinderte diesen teilweise, indem sie den

Herzog und seine Anweisungen beeinflusste. Durch sie ,,verwandelte“ sich der ursprüngliche Despot und Genussmensch zu einem sorgenden Landesvater. Im späteren Alter interessierte sich Karl Eugen nämlich fast nur noch für Landwirtschaft und Pädagogik

Erläuterungen:

Absolutismus:

-Herrschaftsform, in der der Herrscher die uneingeschränkte Macht ausübt.

-Monarch kontrolliert Exekutive, Legislative und Judikative

-Monarch erhält seine Macht durch Erbfolge

-Monarch erkennt allgemeine Gebote der Religion und Moral an

Mätresse:

-die Geliebte eines bedeutenden Mannes

-Mann hat mit seiner Mätresse oft eine engere Beziehung als mit seiner Ehefrau (weil viele Eheschließungen aus rein politischen Gründen stattfanden)

-Mätresse hat durch die geschlechtliche Beziehung (an Königshäusern) oft politischen Einfluss auf den Mann

morganatische Ehe:

-im europäischen Adel vorkommende Form der Ehe, bei der einer der beiden Ehepartner von niedrigerem Stand war als der andere

Zuchthaus:

-Strafanstalt

-harte körperliche Arbeit (bis zur Erschöpfung)

Handout:

Wie Karl Eugen war und was er wollte

-verschwendungs- und ruhmsüchtig

-lebte in feinstem Luxus auf Kosten anderer

-wollte seinen Hof zum schönsten in ganz  Europa machen (,,Versailles in        

 Württemberg“)

-veranstaltete teure Jagden, Opernaufführungen, Feste, Bälle

-unterhielt teure Künstler und Mätressen

-egoistisch und äußerst brutal

-tyrannisch und machtausübend

Wo kommt das Geld her?

-zunächst erhob Karl Eugen die Steuern

-dann griff er auf das Geld des Kirchenrats zurück

Da diese Methoden nicht beliebig oft wiederholbar waren, kam es zum Soldatenverkauf

Soldatenverkauf

Karl Eugen verkaufte junge taugliche Männer ab 18 Jahren als Soldaten an Krieg führende Staaten. Sie wurden mit schrecklicher Gewalt und Betäubungsmitteln zum Dienst gezwungen. Auf ihre Familien wurde keine Rücksicht genommen, zumal es sich immer um Handwerker, Arbeiter und Bauern handelte.

Was kritisiert Friedrich Schiller?

Am meisten kritisierte Schiller seine ungeheure Verschwendungssucht. Das kommt auch bei ,,Kabale und Liebe“ zum Ausdruck, als der Kammerdiener der Lady Milford die wertvollen Juwelen als Geschenk des Herzogen überbrachte. Damit bringt Schiller zum Ausdruck, dass der Herzog teilweise Soldaten verkaufte, nur um seinen Mätressen Geschenke zu machen. Diese Verschwendungssucht war Schiller unerklärlich, vor allem, dass andere Menschen unter seinem Egoismus so dermaßen leiden mussten.

Welche Rolle spielte Franziska von Hohenheim?

Sie spielte eine sehr wichtige Rolle im Leben des Herzogs. Auch wenn sie zunächst eine von vielen Mätressen war, wurde sie später seine zweite Ehefrau und beeinflusste den Herzog Karl Eugen von Württemberg sehr positiv. Sie machte den Herzog ,,gnädiger“ und hielt ihn teilweise ab von seiner schrecklichen Tyrannei. Sie hatte so einen positiven Einfluss auf Karl Eugen, dass sogar Friedrich Schiller, der wegen dem Herzog das Land verlassen hatte, nach seinem Tod, seinen Frieden mit ihm machte.

 

Quellenangabe:

-Autor: Karlheinz Wagner, Herzog Karl Eugen von Württemberg

-www.lindenhahn.de

-www.wikipedia.de 

-Unterrichtsblatt von Herr Lindenhahn: ,,Soldatenhandel“ 

-Friedrich Schiller, Kabale und Liebe

 


 
 
 
 

Zurück zur Homepage