Das Leben der Frauen um 1800

Die adlige Frau - Kleidung - die Bürgersfrau - Dienstmädchen - die Landfrau

Obwohl sich das Leben der Frau nicht in der Öffentlichkeit abspielte und sie am politischen Geschehen nicht direkt Teil hatte, so nahmen all diese politischen und kulturellen Ereignisse jedoch auch Einfluss auf ihre Lebensumstände. Auf kultureller Ebene konnten sich die gehobene Bürgersfrau wie auch die Adlige betätigen. In allen Ständen lebte die Frau nur im Schatten ihres Mannes. Nur, wenn die Frau sich dem Mann völlig unterordnete, konnte es nach damaligen Ansichten eine glückliche Ehe werden.In allen Ständen problematisch war jedoch die Situation der Witwen, und zwar wirtschaftlich wie gesellschaftlich gleichermaßen.
 
 

Die adlige FrauF. Fleischmann, Die Biedermeier-Aristokratin

Bei der Erziehung der Mädchen genügte elementarste Wissensvermittlung. Sie lernten außer deutsch lesen und schreiben französisch schreiben, nach einem französischen Muster einen Brief zusammenstoppeln. Wissenschaften wurden nicht erlernt, nur Mythologie und etwas Geographie. Oft lernte man auch etwas Klavierspielen, Tanzen, Singen und Zeichnen.

Man sieht daran, dass den Töchtern von allem etwas beigebracht wurde, jedoch nichts tiefgehender und ausführlicher. Damit war dem Anspruch genüge geleistet, um für einen Mann ebenfalls höheren Standes eine gute Partie zu sein. Ein Auszug aus einem Konversationslexikon zum Stichwort „Bildung“ bestätigt dies: „Es kommt nicht darauf an, daß die Bildung der Gattin eine ausgedehnte sei, sondern vielmehr darauf, wie sehr sie ihre Ausbildung der ihres Gatten anzupassen verstehe, damit sich jede Schärfe seines Geistes glätte am Polierstein ihres Gemütes.“ Bereits 1715 war ein „Frauenzimmerlexikon“ erschienen, in dem man allerlei Dinge nachschlagen konnte, um „nutzbar, galant und curiös“ zu sein. Auch sogenannte Konversationslexika dienten dem Zweck, dass die Frau sich weiterbilden konnte um sich unterhalten zu können.

Wenn das Mädchen diese Erziehung hinter sich hatte, war es mit vierzehn Jahren völlig erwachsen und wurde von der Mutter in deren Gesellschaft eingeführt. Ihre Rolle war nur die einer Mutter und Gattin. Die Frau selbst empfand diese Rolle im Allgemeinen als normal, hatte sie doch nichts anderes kennengelernt. So zeigt ein Zitat von Isabella von Wallenrodt, wie sehr die überlieferten Konventionen in ihnen verankert war: „Von Kindheit an hasse ich Weichlichkeit und Unbestimmtheit an dem männlichen Geschlecht, lieber hätte ich, wenn mir keine andere Wahl bliebe, als zwischen einem Menschen, der kein Herz hätte oder schwach genug wäre, sich von mir nach Gefallen beherrschen zu lassen, und einem rauhen Mann, von dem ich wohl gar Prügel zu erwarten gehabt, den letzten gewählt; ich hätte ein solches Unglück nicht lange vielleicht ertragen, aber doch den Mann, weniger als jenen verachten können.“Die Hochzeit war oft nichts anderes als ein Kaufvertrag zwischen zwei Familien, wobei die Frau der zu verkaufende Gegenstand war. Auf ihre eigene Meinung wurde wenig Wert gelegt.
In der Ehe mussten die adligen Frauen - sofern sie nicht zum Hofadel gehörten und damit von solchen Aufgaben befreit waren, den Haushalt führen, das heißt also die Dienstmädchen anleiten und die Aufgaben verteilen, und für die Erziehung der Kinder sorgen. Doch im Gegensatz zum Bürgertum hatten die sehr vornehmen und sehr reichen Leute „selten Sinn für häusliche Glücksseligkeit, fühlen keine Seelenbedürfnisse, leben mehrerenteils auf einem sehr fremden Fuß mit ihren Ehegatten und bedürfen also keiner andern Regeln als solcher, die eine feine Erziehung vorschreibt.“ - So schreibt Freiherr von Knigge. Damit bringt er zum Ausdruck, wie wenig der oberste Stand von Familienleben hielt. Für die Frau bedeutete das, die Erziehung ihrer Kinder in die Hände von Gouvernanten und Hauslehrern zu geben. Da sie neben der Haushaltsführung, bei der sie selber keine Hand anlegten, nichts zu tun hatten, kümmerten sich manche von ihnen um die Förderung von Künstlern und Schriftstellern und pflegten die neu aufkommende Mode der Briefkultur. Schreiben war „in“.
Dennoch hielten viele fortschrittliche Denker, allen voran die Aufklärer, nichts von gelehrten Frauen, sondern diskriminierten diese gar. Immanuel Kant: „Mühsames Lernen oder peinliches Grübeln (...) vertilgen die Vorzüge, die ihrem Geschlecht eigentümlich sind...“

Bemerkenswert ist, dass es im Adel üblich war, Geliebte zu haben. Dies galt keineswegs als anrüchig, sondern wurde allgemein akzeptiert. War der Ehegatte oder die Ehegattin auf Reisen, so nahm man seinen Liebhaber bzw. seine Liebhaberin mit auf Gesellschaften. Es wurde mit diesem Lebensstil sogar soweit getrieben, dass es als Schande galt, wenn man keinen Geliebten hatte. In der Politik hatten sogenannte Mätressen teilweise großen Einfluß.

Es versteht sich von selbst, dass adlige Frauen keine Berufe erlernten. Entschloss sich eine jedoch dazu, hatte sie einen dornigen Lebensweg zu gehen, wie z.B. Malvida von Meyenfels, die Erzieherin und Schriftstellerin wurde. Es ist überhaupt bemerkenswert, dass - sobald es das Recht auf Scheidung gab - hauptsächlich Frauen aus dem ersten Stand davon Gebrauch machten. Dadurch zeigten die Frauen, dass sie nach mehr Mündigkeit und Unabhängigkeit strebten.

Die Integration der unverheirateten Frau in die Häuser ihrer Verwandten war bei den Aristokraten nicht so selbstverständlich wie bei bürgerlichen oder bäuerlichen Familien. Oftmals ging sie in Nonnenklöster oder evangelische Damenstifte um standesgemäß unterzukommen.
Mögen vielleicht die adligen Frauen der Elterngeneration „es in dieser Zeit des Umbruchs alter Normen und des drohenden Verlusts ererbter Werte schwer gehabt haben, aus ihrer Erziehung heraus den Anbruch einer neuen Zeit zu verstehen“, so begannen ihre Töchter jedoch, die Weichen für eine neue Rollenverteilung zwischen Mann und Frau zu stellen.

Kleidung

Die adligen Frauen trugen im 18. Jh. Reifröcke, welche aus einem inneren Gerüst aus Fischbein und Holz bestanden. Die Reifröcke breiteten sich von der Hüfte drei Fuß aus. Durch diese unnatürliche Breite paßten die Frauen nicht mehr durch den Türrahmen. Zum Reifrock trugen sie hohe, spitze Absätze. Um nicht umzuknicken, mußten sie andauernd geführt werden. Um eine Dame zu führen mußte der Mann die rechte Schulter nach hinten und die linke nach vorne schieben. Diese Seitenansicht hatte Vor- und NachteileMode um 1775: Wenn sie ineinander verliebt waren, konnten sie sich laufend anschauen, wenn nicht, war es sehr unangenehm. Später wurden die Reifröcke reduziert. Die Frauen trugen Röcke mit Kissen, die hinter dem Gesäß angebracht waren. Ende des 18. Jh. verschwand das Kissen wieder, da der Mensch wieder der Natur näher kam. Dies führte auch dazu, daß die Leute keine Perücken mehr trugen. Die Männer hatten Fischbeinröcke, Westen, Hemden mit riesigen Manschetten und seidene Strümpfe an, dazu feinsohlige runde Schuhe mit Absätzen. Sie hatten immer einen vergoldeten Degen und einen Hut bei sich. Die Kleinbürger dagegen waren sehr einfach, möglichst unverwüstlich und zweckmäßig gekleidet.
Die Bauern waren sehr einfach gekleidet, sie trugen Mantel, Wams, Hose, seltener Hemd und Schuhe, die Frauen trugen Hemd, Oberrock und Untergewand. Auch das Kleinbürgertum konnte sich nur eine einfache, haltbare und zweckmäßige Kleidung leisten. Durch die hohen Preise lag der Kleidungsdiebstahl bei den Strafdelikten also an erster Stelle.
Die herrschende Mode blieb die Mode der Herrschenden. Die aufbegehrende männliche Jugend um 1775 trug die Werthermode.

Die BürgersfrauDie Kleinbürgerin

Die Kinder wurden im häuslichen Kreis der Familie großgezogen. Von den Eltern wurden ihnen die Werte der Gesellschaft vermittelt sowie der Sinn für ein beschauliches Familienleben. Dass Jungen und Mädchen dabei verschiedene Tätigkeiten verrichten mussten, war selbstverständlich, wurden sie doch auf verschiedene Rollen vorbereitet. Mit sieben Jahren kamen sie in die öffentliche Schule. Dort wurden sie, Jungen und Mädchen getrennt, zusammen mit den Kindern der unteren Stände unterrichtet. Nur reichere Bürger konnten ihre Töchter auf ein Mädchenpensionat schicken.

Die Vorzüge der öffentlichen Schule beschreibt Johann Struve: „Die Kinder sind nur einige Stunden des Tages, und zwar die Zeit, in welcher eine Mutter, die zugleich Hausfrau ist, sich am wenigsten um sie kümmern kann, aus dem elterlichen Haus entfernt.“ Danach konnte das Mädchen von der Mutter mit dem häuslichen Leben bekannt und vertraut gemacht werden, wodurch „dann von selbst seine ganz Art zu empfinden, zu denken und zu handeln gehörig eingeübt und bestimmt sowie es für das menschliche Leben und die weibliche Bestimmung nöthig und gut ist.“

Man erkennt ganz deutlich, dass auch das bürgerliche Mädchen ganz im Sinne seiner „weiblichen Bestimmung“ erzogen wurde. Im Gegensatz zum Adel wurde es jedoch noch mehr in die Geborgenheit der Familie eingegliedert. M. Drolling, Küche (um 1800)Die bürgerliche Frau lebte, wie die Gesellschaft es verlangte, als Mutter und Gattin, sie überwachte den Haushalt, arbeitete aber nicht selbst. Selten hatte sie Gelegenheit, aus den ihr auferlegten Zwängen auszubrechen. Mutige Frauen, die ihre eigenen Wege gehen wollten, konnten jedoch ebenfalls nur die Laufbahn einer Erzieherin oder Gouvernante einschlagen. Es gab berühmte Frauen, die ihre Häuser zu literarischen Treffpunkten machten, wie z.B. Rahel Levin und Henriette Herz. Solch eine Emanzipation gelang aber fast nur in Großstädten wie Berlin.

Das Frauenleben an sich unterschied sich somit nicht sehr von dem adliger Damen. „Zwar ist in der bürgerlichen Intimfamilie die menschliche Beziehung zwischen den Gatten verinnerlicht worden; gegenseitige Achtung, Liebe, menschliche Qualitäten sind konstitutiv für die nun propagierte Liebesehe, aber die Ehefrau ist immer noch ein Stück Besitz geblieben, den der seinerseits in der Privatsphäre emanzipierte Mann und in der Gesellschaft durch Privatbesitz abgesicherte Bürger wählen kann.“ Die Frauen selbst werden die althergebrachten Denknormen und Verhaltensweisen wohl ohne weiter darüber nachzudenken übernommen haben.
 
 

DienstmädchenDienstbotenarbeit

Von früh an wurden Töchter von armen Bauern oder Dienstboten in einem Haushalt als Dienstmägde beschäftigt. In der öffentlichen Schule erhielten sie für kurze Zeit Unterricht in Lesen und Schreiben.
Als Dienstmädchen waren sie oft Teil der Familie, der Herrschaft enger verbunden als der eigenen Familie. Sie arbeiteten sehr lange, manchmal ein ganzes Leben lang in ein und demselben Haushalt, woraus man schließen kann, dass die meisten Hausangestellten sich in ihrer Lage wohl fühlten.
Doch nicht zu übersehen ist, was für ein ungleiches Leben sie gegenüber ihren Arbeitgebern führten. Ihre Lebensbedingungen waren viel schlechter, so mussten sie z.B. in kaum oder gar unbeheizten Dachkammern schlafen, sich das Zimmer mit mehreren anderen Hausangestellten teilen.

Wenn ein unverheiratetes Dienstmädchen schwanger wurde, konnte sie wegen Geldmangel das Kind nicht in Pflege geben, so wie es wohlhabenderen Frauen möglich war, und wurde dadurch oft zum Kindsmord verleitet, auf welchen die Todesstrafe stand.

F. Boehle, Sitzende BäuerinDie Landfrau

Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein war in meisten Teilen Deutschlands die Leibeigenschaft noch weit verbreitet. Diese Abhängigkeit betraf nicht nur die Arbeit, sondern auch das persönliche Leben. So konnte keine Heirat ohne Zustimmung des Gutsherrn vollzogen werden. Dies verhinderte oft die Entfaltung eines selbständigen bäuerlichen Lebens. War man jedoch von der Leibeigenschaft befreit, entwickelte sich oft ein reges Gemeindeleben mit eigenen Bräuchen und einer eigenen Lebensart. Die Frauen mussten zwar auf dem Hof harte Arbeit leisten, sich um die Kinder kümmern und die Launen des Gatten ertragen. Sie hatten viel zu tun und wurden ständig gebraucht.

Doch das Streben der Bauern galt einer bescheidenen Autokratie. Sie bewirtschafteten den Hof und die Felder für sich, in der Not half man sich unter Nachbarn aus. Die Frau pflegte den Kontakt mit anderen Bäuerinnen und war ein wenig freier gegenüber gesellschaftlichen Verpflichtungen als die Bürgerin oder Adelsfrau.
 


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