Als Juro erlernte, wie man den Vergessenskreis zieht

Der Meister hatte Juro wieder einmal befohlen, dass er die Schwarze Kammer fegen und schrubben sollte. Er sagte: ,,Juro und wenn du nicht fertig bist, wenn ich heute Abend zurück komme, dann setzt es eine Tracht Prügel." Also ging Juro den Besen geschultert in die Schwarze Kammer. Er wartete, bis er den Meister mit dem Wagen vom Hof fahren sah, dann schloss er die Türe, denn er wusste, dass ihn so keiner stören würde (den Burschen war es strengstens verboten, die Schwarze Kammer ohne die Erlaubnis des Meisters zu betreten). Zur Sicherheit zog Juro auch noch den Vorhang zu, denn es konnte ja ein neugieriger Lyschko hereinspähen. Das einzige Licht im Raum war jetzt nur noch der Schein der roten Kerze, die auf einem Totenkopf stand. Juro setzte sich an den Tisch, der in der Mitte des Raumes stand. Auf ihm lag der Koraktor, mit einer Kette festgemacht. Juro streckte die Hand nach ihm aus doch dann hielt er inne. Sollte er es wirklich wagen? Er hatte zwar schon oft im Koraktor gelesen und bis jetzt war alles gut gegangen, aber was wäre, wenn es diesmal nicht klappen würde? Juro nahm all seinen Mut zusammen und schlug den Koraktor auf. Dort stand:

,,Dies ist die Kunst, einen Zauberkreis zu ziehen, in den man, wenn man darin sitzt, von seinem Meister vergessen ist", las Juro. Er dachte: ,,Das ist etwas, das ich schon lange gesucht habe!" und er las weiter: ,,Zum ersten versieh dich mit einem Stückchen Birkenholz, das du drei Tage lang in die Erde eingraben musst. Dann nimm es und trage es mit dir in der Tasche herum. Wenn du etwas denken oder besprechen musst, das dein Meister nicht wissen darf, so nimm das Stück Holz und ziehe einen großen Kreis. Versieh diesen mit drei Kreuzen und einem Drudenfuß. Setze dich hinein (wenn Du einen Partner hast, so muss er auch hinein)."

Juro dachte: ,,Diesen Zauber werde ich oft gebrauchen können!" , dann klappte er den Koraktor zu und legte ihn wieder an seinen Platz. Er zog die Vorhänge auf und fing an die Kammer zu fegen.
 


Juro lernt einen Spruch

Juro staubte gerade die Schwarze Kammer ab und fing bei dem Totenschädel mit der Kerze darauf an. Er musste aufpassen, dass der Staubwedel nicht anbrannte, wegen der Kerze. Danach staubte er den Koraktor ab und überlegte, ob er wieder hineinschauen sollte: „Soll ich es wieder wagen? Ich meine, sonst hat's ja immer geklappt. Aber der Meister … der könnte mich ja entdecken, oder vielleicht die anderen? Ach, was rede ich über die anderen, die würden es ja gar nicht mal wagen, in die Kammer rein zu schauen, wenn der Meister nicht da ist, außer, der Meister will es. Es ist schwer, denn wenn ich es wage, der Meister es jedoch sieht, kann ich sicher sein, dass ich am Silvesterabend auf Wiedersehen sagen muss! Wenn ich es aber schaffe, im Koraktor zu lesen, wäre ich bestimmt um einen guten und hilfreichen Spruch
reicher. "
Er wagte es, trotz der Gefahr vom Meister entdeckt zu werden, und schlug den Koraktor auf. Er blätterte immer weiter, Seite um Seite und Spruch um Spruch. Nachdem er eine Weile geblättert hatte, hellte sich sein Gesicht auf, denn er hatte einen Spruch gefunden, der hilfreich für die Zukunft war.
Sein froher Gesichtsausdruck verflog gleich wieder, denn er hörte Schritte. Er dachte: „Oh weh! Wenn das der Meister ist!" Und er war kurz davor, den Koraktor zuzuklappen und den Staubwedel in die Hand zu nehmen, um weiter zu putzen. Plötzlich waren die Schritte weg. Er hörte noch einmal hin, um ganz sicher zu sein, dass dieser jemand da draußen weg war. Als er aber nichts hörte, schlug er den Koraktor auf der Seite, die er zuletzt angeschaut hatte, wieder auf, denn er hatte sich die Seitenzahl gemerkt; und dann die richtige Seite zu finden war leicht.
Es war eigentlich kein richtiger Spruch, sondern ein Vergessenskreis, der bewirkte, dass man Juro vergisst. Es war nicht viel zu merken und deshalb konnte Juro ihn schon nach kurzer Zeit auswendig. Er sagte sich die Schritte noch einmal auf: „Kreis um mich und die andere Person ziehen und den Kreis mit einem Drudenfuß versehen sowie drei Kreuzchen." Er freute sich, dass er es konnte, klappte den Koraktor zu und legte ihn wieder auf den Tisch. Danach verfolgte er wieder seine Arbeit, die Schwarze Kammer abzustauben. Er freute sich auf das nächste Abstauben in der Schwarzen Kammer.